Ein treuer Diener Christi
Deutsche Leiterkonferenz September 2008
Reiner Schauwienold
EIN TREUER DIENER CHRISTI
Leitverse 4,1.2:
„Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als dass sie für treu befunden werden.“
Es ist allgemein bekannt, dass es eine wichtige Rolle spielt, wen ein Mensch in seinem Leben als Vorbild hat. Viele Spitzenfußballspieler haben von Kind an bestimmte Spitzenfußballspielern nachgeeifert, viele Spitzenpolitiker haben andere große Politiker zu ihrem Vorbild gemacht. Für uns als Missionare und Hirten ist es besonders wichtig, dass wir ein gutes Vorbild haben, das uns jederzeit anspornt, in einer zunehmend gottlosen Gesellschaft Jesus hingebungsvoll und treu zu dienen, selbst wenn uns dabei Schwierigkeiten und Leiden begegnen. Wer könnte für uns so ein Vorbild sein? In 1. Korinther Kap. 4 erfahren wir von dem beispielhaften Glaubensleben von Apostel Paulus, dem wohl größten und erfolgreichsten Missionar in der Geschichte. Sicherlich wissen die meisten von euch schon sehr viel über Apostel Paulus, und ich selbst bin eigentlich der letzte hier, der berechtigt wäre, über sein beispielhaftes Glaubensleben zu sprechen. Aber in diesem Kapitel will Paulus sich uns selbst vorstellen. Er stellt sich uns als ein treuer Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse vor. Was bedeutet das? Mit welcher Haltung diente Paulus Jesus und wie sehr liebte er Jesu Schafe, sodass Gott ihn für unzählige Menschen zum Segen machen konnte? Wie können wir selbst solche Diener werden, die Gott für sein Werk in unserer Zeit kostbar gebrauchen kann? Gegen Ende des Kapitels fordert Paulus uns auf: „Folgt meinem Beispiel!“ Möge Gott uns helfen, von Paulus Beispiel zu lernen und in unserer Zeit als treue Diener Christi und Haushalter des Evangeliums kostbar gebraucht zu werden! Möge Gott dadurch sein Jüngererziehungswerk unter den Studenten in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz reichlich segnen!
Teil 1: Sei treu (1-5)
Wie wir wissen, war Korinth damals eine große, multikulturelle Stadt, die noch weltlicher und sündiger war als heute Berlin oder Frankfurt. Aber Gott führte Apostel Paulus auf seiner zweiten Missionsreise nach Korinth und ließ durch seinen 18-monatigen Dienst inmitten der sündigen Stadt eine lebendige Gemeinde entstehen. Doch nach Paulus Weggang entstanden verschiedene Probleme. Es kam zu Spaltungen und Parteienbildung in der Gemeinde. Manche redeten schlecht über Paulus und behaupteten, dass Apollos der wahre Leiter sei; andere machten sich für Petrus stark; wieder andere pochten darauf, dass sie allein zu Christus gehörten (1,12). Paulus hätte darüber sehr ärgerlich sein und von ihnen verlangen können, dass sie ihn als Apostel und Gründer der Gemeinde respektieren sollten. Doch wie reagierte er? Er sagt im Vers 1: „Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse.“ Paulus pochte nicht auf seine Autorität als Apostel oder Gründer der Gemeinde. Er wollte schlicht für einen Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse gehalten werden. Paulus hielt es für ein großes Privileg, ein Diener Christi zu sein.
Was bedeutet es aber eigentlich, ein Diener Christi und ein Haushalter über Gottes Geheimnisse zu sein? Welche Eigenschaften soll ein Diener Christi haben? „Diener“ bedeutet hier so viel wie Sklave. Wie ein Sklave damals ganz für seinen Herrn da war, so lebt auch ein Diener Christi ganz für ihn da sein und alles, was er ist und hat, für ihn zur Verfügung stellen und einzusetzen. Von morgens bis abends hat er nur das Anliegen, seinem Herrn auf bestmögliche Weise zu dienen und ihn dadurch zu erfreuen und zu ehren.
Ein Diener Christi ist auch ein Haushalter über Gottes Geheimnisse. Gottes Geheimnisse kann vieles bedeuten; aber wir können darunter vor allem das Evangelium verstehen, das über Jahrtausende hinweg Gottes Geheimnis war und auch bis heute nur denen offenbart wird, die demütig auf Gottes Wort hören und glauben. Ein Haushalter ist ein Diener, der von seinem Herrn über sein Haus, seine Güter und seine Bediensteten gesetzt war, damit er alles im Sinne des Herrn gut verwaltete. Welche Eigenschaft müssen Haushalter unbedingt haben? Vers 2 sagt: „Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als dass sie für treu befunden werden.“ Ein Verwalter muss unbedingt und vor allem treu sein. Wenn ein Verwalter nicht so fähig, aber immerhin treu ist, kann er für seinen Herrn trotzdem nützlich sein. Aber einer, der fähig, aber untreu ist, bringt ihm umso mehr Schaden. Darum muss ein Verwalter vor allem treu sein. In der Bibel finden wir viele Beispiele für treue Verwalter, die wegen ihrer Treue kostbar gebraucht werden konnten. Im 1. Buch Mose erfahren wir von Abrahams Knecht, der so treu war, dass er die schwierige und wichtige Mission, für Abrahams Sohn im Ausland eine passende gläubige Frau zu finden, erfolgreich erfüllen konnte (1. Mose 24). Josef wurde von seinen Brüdern als Sklave nach Ägypten verkauft. Aber er blieb auch in den schwierigen Lebenssituationen treu in der Beziehung zu Gott und erfüllte seine jeweilige Aufgabe vor Gott treu. So konnte Gott ihn schließlich als Regenten über ganz Ägypten für sein Werk kostbar gebrauchen. Die Treue ist die wichtigste Eigenschaft eines Dieners Gottes. So sagt Jesus im Lukasevangelium: „Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr über seine Leute setzt, damit er ihnen zur rechten Zeit gibt, was ihnen zusteht? Selig ist der Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, das tun sieht“ (Lk 12,42.43).
Paulus war wirklich ein treuer Diener Christi und Haushalter über das Evangelium. Wie wir wissen, hatte er vor seiner Bekehrung seine ganze Kraft und Fähigkeiten für sich selbst eingesetzt, um die Gerechtigkeit und die Anerkennung der Menschen zu erlangen. Doch als er dem auferstandenen Jesus begegnete, tat er tief Buße und entschied sich, ganz für Christus zu leben und ihm alles zur Verfügung zu stellen. Von da an setzte er praktisch seine ganze Kraft und alle seine Fähigkeiten dafür ein, um Jesus zu dienen und seinen Auftrag, das Evangelium unter den Heiden zu verbreiten, treu zu erfüllen. Paulus war ein treuer Diener Christi, weil er für die Verkündigung des Evangeliums seine ganze Zeit und ganze Kraft einsetzte. Er diente dem Werk Jesu nicht wie ein Angestellter, der von 8 bis 17 Uhr im Büro seine Pflicht erfüllt, sondern ermahnte die ihm anvertrauten Menschen Tag und Nacht unter Tränen, damit sie im Glauben bleiben und wachsen konnten. Dabei erwies er sich auch dadurch als ein treuer Haushalter über das Evangelium, dass er die Menschen trotz seiner hohen Bildung nicht seine eigene, menschliche Gedanken und Erfahrungen lehrte, sondern allein das Evangelium Gottes (2,2). Paulus erwies sich auch dadurch als ein treuer Diener, dass er treu darum geistlich kämpfte, selbst nach dem Evangelium zu leben. Er sagte über seinen geistlichen Kampf in Kap. 9: „… ich kämpfte mit der Faust, nicht wie einer, der in die Luft schlägt, sondern ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn, damit ich nicht andern predige und selbst verwerflich werde.“ (Paulus erwies sich auch dadurch als treuer Diener, indem er Jesus nicht nach eigenen Ideen oder nach der jeweiligen Situation diente, sondern treu das Anliegen Jesu verfolgte, Menschen zu seinen Jüngern zu machen. So entschied er sich etwa in Ephesus, lieber einer kleinen Gruppe von Menschen in der Schule des Tyrannus bei der Jüngerschaft gezielt zu helfen, als öffentlich zu predigen. Daher gab er auch seinem geistlichen Sohn Timotheus für seinen Dienst die Anweisung: „Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das befiehl treuen Menschen an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren.“) Parallel zu seinem hingebungsvollen Dienst für die Schafe Jesu arbeitete Paulus fleißig in seinem Beruf als Zeltmacher, um niemandem zur Last zu fallen und dem Evangelium kein Hindernis zu bereiten. Als Paulus auf diese Weise hingebungsvoll dem Herrn Jesus diente, erfuhr er viele Missverständnisse, Ablehnung, Verleumdung und Verfolgung. Aber Paulus erwies sich als ein treuer Diener dadurch, dass er alle inneren und äußeren Leiden durch die Verfolgung geduldig ertrug und in seinem Eifer, Jesus und seinem Evangelium zu dienen, nicht nachließ. Einmal wurde er von den Menschen, denen er das Evangelium bezeugt hatte, zur Stadt hinaus geschleift und gesteinigt. Doch als die Jünger ihn umringten und er wieder aufstehen konnte, ging er wieder in dieselbe Stadt und verkündigte auch in den Nachbarstädten unbeirrt das Evangelium. So sagte er einmal: Aber ich erachte mein Leben nicht der Rede wert, wenn ich nur meinen Lauf vollende und das Amt ausrichte, das ich von dem Herrn Jesus empfangen habe. Paulus war vor allem ein treuer Diener Jesu, weil er trotz aller Schwierigkeiten und Leiden und trotz aller Rückschläge mit seinem Dienst nie aufhörte, sondern Jesu Mission bis zum Ende seines Lebens diente. Als Paulus auf diese Weise als ein treuer Diener Christi lebte, gebrauchte Gott ihn in seiner Generation und weit darüber hinaus bis heute unermesslich kostbar für sein Erlösungswerk.
Gott hat uns aus seiner Gnade dazu berufen, ihm als Missionare und Hirten für die Studenten in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu dienen. Gott hat sicherlich den Glauben und hingebungsvollen Dienst von jedem von euch gnädig angesehen und gesegnet. Gott hat in vielen Bezirken schon etliche Studenten als Jünger Jesu aufgestellt, in anderen Bezirken ist Gott dabei, dafür zu wirken. Doch unabhängig davon, ob wir in unserem eigenen Bezirk schon sichtbare Frucht können, haben wir alle die gleiche Frage: Was sollen wir tun, damit das Werk Gottes durch uns weiter wachsen kann? Wie können im kommenden Semester viele neue Studenten zum Bibelstudium kommen und zu Jüngern Jesu heranwachsen? Was ist der Weg dazu, dass Gott in jedem Bezirk einen Abraham und eine Sarah des Glaubens aufstellt und viele weitere entschiedene Jünger Jesu folgen? Was müssen wir tun, damit viele weitere Hochschulen mit dem Evangelium pioniert und das Werk Gottes sich verdoppelt? Wir müssen als treue Diener Christi leben. Manchmal mögen wir denken, dass wir mehr Zeit, mehr Mitarbeiter, eine neue Strategie oder eine angesehene Organisation bräuchten. Aber das ist nicht entscheidend. Auch Paulus hatte als Laienmissionar nur begrenzt Zeit, er hatte nicht viele Mitarbeiter um sich und hatte keine angesehene Organisation im Rücken. Aber als er Jesus Christus mit den ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten treu diente, segnete Gott ihn und ließ durch ihn viel Frucht entstehen. Derselbe Gott wird auch uns reichlich segnen, wenn wir Jesus treu dienen und das, was wir haben, vollständig für ihn und sein Evangelium einsetzen. Wenn wir treu das Evangelium weiter studieren und danach leben, bis wir den „Geruch der Bibel“ haben, werden die Studenten ihn riechen und von sich aus unsere Einladung annehmen und gerne zum Bibellesen kommen. H. Tobias Hergert sagte einmal in seinem Lebenszeugnis, dass er, als er zum ersten Mal in die Wohnung von M. James und Esther Kim kam, merkte, dass dort „ein anderer Geist“ wehte. Durch ihr treues Gebet und Dienst wuchs er zu einem treuen Jünger Jesu und zu einem Bibellehrer für Karlsruher Studenten heran. Wenn wir uns als treue Diener Christi erweisen, wird Gott jeden segnen und dazu gebrauchen, viele Studenten zum Glauben an Jesus führen und zu seinen Jüngern zu machen. Wenn wir weiter treu beten und unser Bestes tun, sein Evangelium zu studieren und weiterzugeben, wird Gott sein Jüngererziehungswerk in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz reichlich segnen und wachsen lassen. Möge Gott uns helfen, uns als treue Diener und Dienerinnen Christi zu erweisen! Möge Gott im kommenden Semester dadurch zahlreiche Jünger Jesu aufstellen und sein Werk bis 2010 verdoppeln! Möge Gott uns helfen, ihm bis zum Ende unseres Lebens treu zu dienen!
Betrachten wir die Verse 3-5. Obwohl Paulus als treuer Diener Jesu lebte, gab es in der Korinther Gemeinde einige, die seine Person und seinen Dienst in Frage stellten. Sie maßten sich an, über ihn zu richten, und behaupteten viele Dinge, die er angeblich falsch oder schlecht gemacht hätte. Paulus hätte darüber sehr verärgert und empört sein können. Doch er sagt: „Mir aber ist’s ein Geringes, dass ich von euch gerichtet werde oder von einem menschlichen Gericht; auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir zwar nichts bewusst, aber darin bin ich nicht gerechtfertigt; der Herr ist’s aber, der mich richtet.“ Paulus lebte vor Gott in dem Bewusstsein, dass der auferstandene Jesus ihn und sein Tun eines Tages richten würde. Daher war er frei von dem Urteil der Menschen und von jeder Selbstverdammnis. Aufgrund dessen ermahnt er auch die Gläubigen im Vers 5 dazu, dass sie nicht richten sollen: „Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist, und wird das Trachten der Herzen offenbar machen. Dann wird einem jeden von Gott sein Lob zuteil werden.“ Manchmal werden wir durch kritische Worte von Mitarbeitern oder Studenten oder von Menschen außerhalb der Gemeinde verletzt. Doch wir lernen hier, dass wir frei von dem Urteil der Menschen sein können, wenn wir in dem Bewusstsein leben, dass Gott der wahre Richter ist. Wir lernen auch, dass wir andere nicht richten, sondern alles Gericht Gott überlassen sollen.
Teil 2: Teilnahme an dem Leiden Christi (6-13)
Betrachten wir die Verse 6-8. Die Ermahnung, nicht zu richten, hatte Paulus vor allem im Hinblick auf ihn selbst und Apollos geschrieben. Diejenigen, die über einen Leiter schlecht redeten, damit ihr eigener „Lieblingsleiter“ besser dastand, sollten lernen, nicht über das hinauszugehen, was geschrieben steht; denn Jesus hat ausdrücklich verboten, andere zu richten (Mt 7,1). In diesem Abschnitt wird die geistliche Lage der Empfänger deutlich. Sie waren stolz auf ihre Gaben und hielten sich für besser als andere Gläubige. Sie waren geistlich satt geworden und meinten, schon reich zu sein. Sie wollten in der Gemeinde herrschen, ohne auf ihre Bibellehrer zu hören und von ihnen weiter zu lernen. Paulus fragt sie: „Ihr seid schon satt geworden? Ihr seid schon reich geworden? Ihr herrscht ohne uns? Ja, wollte Gott, ihr würdet schon herrschen, damit auch wir mit euch herrschen könnten!“ (8) Paulus war gar nicht dagegen, dass die jüngeren Gläubigen Leiter werden wollten. Aber sie mussten dazu zuerst für ihre Selbstzufriedenheit und Überheblichkeit Buße tun und lernen, Jesus demütig nachzufolgen. Dazu lehrte Paulus sie sein eigenes Beispiel.
Welche Leiden und Schwierigkeiten erlebten Paulus bei seinem Dienst für Jesus? Betrachten wir die Verse 9-13. Vers 9 lautet: „Denn ich denke, Gott hat uns Apostel als die Allergeringsten hingestellt, wie zum Tode Verurteilte. Denn wir sind ein Schauspiel geworden der Welt und den Engeln und den Menschen.“ Als Paulus Jesus konsequent diente, bekam er weder Lohn noch Dank dafür. Vielmehr erfuhr er heftige Schwierigkeiten und Leiden. Er wurde wie einer der zum Tode verurteilten Kriegsgefangenen, die beim Triumphalen Einzug eines Eroberers am Ende der Prozession unter dem Gespött der Leute mitgeschleppt wurde und in der Arena als Gladiator kämpfen musste oder den Tieren zum Fraß vorgeworfen wurde. Die Korinther hielten sich für klug und stark und wollten angesehen und Leiden herrlich leben. Aber als Paulus hingebungsvoll Jesus diente, hielten ihn viele Leute für verrückt. Er war schwach und verachtet und litt häufig unter Hunger, Durst oder Blöße. Dabei musste er sich als ein Laienmissionar mit seiner Hände Arbeit abmühen. Er wurde verlästert und geschmäht. Aber er nahm es demütig hin und segnete und redete freundlich. In Vers 13 bekennt er: „Wir sind geworden wie der Abschaum der Menschheit, wie jedermanns Kehricht, bis heute.“ Warum lebte Paulus so und ertrug so viele Leiden? Es war nicht so, dass er diese Leiden suchte, etwa weil dies zu einem frommen Leben dazu gehört. Es war vielmehr so, dass er Jesus konsequent diente und seinem Befehl gehorchte, das Evangelium aller Kreatur zu predigen. Als er seine ganze Zeit und Kraft dafür einsetzte, erfuhr er all diese Leiden, die er nicht vermeiden konnte, ohne bei seinem Dienst Kompromisse zu machen. Aber er nahm alle Leiden bereitwillig auf sich und ertrug sie, weil er das klare Ziel hatte, Jesus zu dienen und ihn dadurch mehr zu erkennen. In Philipper 3,10.11 sagt er über sein Ziel: „Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleich gestaltet werden, damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten.“ Paulus konnte alle Schwierigkeiten und Leiden ertragen, weil er Jesus wirklich liebte und ihm auf beste Weise dienen wollte. Sicherlich ist das Maß der Leiden, die wir beim Dienst für Jesus erfahren, unterschiedlich. Aber wir können von Paulus Beispiel lernen, wie wir die Leiden beim Dienst für Jesus tragen und Gott zuversichtlich dienen sollen.
Drittens: Folgt meinem Beispiel (14-21)
Aus welchem Grund berichtete Paulus über sein hingebungsvolles Leben für das Evangelium? Im Vers 14 macht er klar, dass er nicht beabsichtigte, sie dadurch zu beschämen. Vielmehr wollte er sie vielmehr als seine „lieben Kinder“ ermahnen. Hier kommt Paulus auf die besondere Beziehung zu sprechen, die zwischen ihm und ihnen bestand. Vers 15 sagt: „Denn wenn ihr auch zehntausend Erzieher hättet in Christus, so habt ihr doch nicht viele Väter; denn ich habe euch gezeugt in Christus Jesus durchs Evangelium.“ In der damaligen Zeit, in der es keine öffentlichen Schulen gab, beschäftigten die reichen Leute Privatlehrer, die auch als Erzieher für ihre Kinder fungierten. Sie vermittelten nicht nur Wissen, sondern kümmerten sich auch darum, dass die Kinder die damaligen Sitten kennen lernten und danach leben lernten. Doch zwischen den Erziehern und dem Vater eines Kindes gibt es mindestens zwei gravierende Unterschiede. Zum einen gibt es viele Erzieher, aber nur einen Vater. Zum anderen ist die zeitliche Dauer und auch die Qualität der Liebe eines Vaters zu seinem Kind viel größer als die eines Erziehers. Denn die Erzieher kümmern sich nur für eine begrenzte Zeit und nur in begrenztem Maße um die Kinder; aber ein Vater liebt sein Kind vorbehaltlos und ist sein Leben lang um sein Wohl besorgt. Paulus hatte die Gemeinde in Korinth selbst gegründet und hatte dabei wohl die meisten von ihnen zum Glauben an Jesus und zum neuen Leben in Christus geführt. Daher liebte er sie wie ein Vater. Es ging ihm besonders nach und sein Herz brannte, wenn er von ihren geistlichen Problemen hörte. Dann zerbrach er sich den Kopf, wie er ihnen helfen konnte, und betete flehentlich für sie. Als er sagte, dass sie seine lieben Kinder waren, tat er dies weniger, um seine Autorität ihnen gegenüber herauszukehren, sondern vielmehr um ihnen zu sagen, wie sehr er sie liebte. Was können wir hier von Apostel Paulus lernen? Wir müssen unsere Bibelschüler als unsere geistlichen Kinder ansehen und sie so sehr lieben wie unsere Kinder. Wenn wir sie wie unsere Kinder lieben, können sie uns vertrauen und unsere Hilfe annehmen. Wenn wir sie als unsere Kinder lieben, können wir ihnen helfen, alle Schwierigkeiten zu überwinden und an Jesus zu glauben und ihm nachzufolgen.
Welche Ermahnung gab Apostel Paulus ihnen aus seiner väterlichen Liebe heraus? Betrachten wir Vers 16: „Darum ermahne ich euch: Folgt meinem Beispiel!“ Sie sollten seinem Beispiel folgen. Die Gläubigen in Korinth sollten nun auch so gesinnt sein und so leben wie Paulus. Sie sollten wie er vor Gott leben und nach Gottes Anerkennung und seinen ewigen Lohn streben, anstatt zu versuchen, sich vor den Menschen zu profilieren und ihr billiges Ansehen zu erlangen. Sie sollten vor allem von Paulus lernen, als treue Diener Jesu wirklich für ihn zu leben und sich dafür hinzugeben, das Evangelium zu verkündigen, und die dabei auftretenden Schwierigkeiten und Leiden bereitwillig zu tragen. Paulus forderte sie auf, seinem Beispiel zu folgen, weil er wusste, dass dies die Lösung ihrer Probleme sein würde. Paulus forderte dazu auf, seinem Beispiel zu folgen, weil er selbst dem Beispiel Christi folgte. So sagte er in Kap. 11,1: „Folgt meinem Beispiel wie ich dem Beispiel Christi!“
Das gilt auch für uns. Wir sollen dem Beispiel von Paulus folgen. Wir sollen unser Bestes tun, wie er als treue Diener Christi zu leben und sein Evangelium gut zu verwalten. Wir sollen von ihm lernen, alle dabei auftretenden Schwierigkeiten und Leiden zu erdulden und unter allen Umständen Jesus zuversichtlich weiter zu dienen, selbst wenn wir von anderen verspottet und verleumdet werden, selbst wenn wir wie der Abschaum der Welt würden. Wir sollen seine Demut lernen, mit der er Kritik und Verleumdung erduldet. Wir sollen seine väterliche Liebe lernen und unsere Bibelschüler wie unsere eigenen Kinder lieben. Wir sollen dem Beispiel von Paulus folgen, folgen wir in Wirklichkeit dem Beispiel Jesu. Wenn wir dies treu tun, wird Gott das Bild Jesu in uns wiederherstellen. Dann wird Gott uns reichlich segnen und wird uns für unzählige Studenten gebrauchen. Möge Gott jedem von uns helfen, Paulus Beispiel zu folgen, und uns für sein Werk kostbar gebrauchen!
Was tat Paulus noch aus seiner väterlichen Liebe zu ihnen? Betrachten wir Vers 17: „Aus demselben Grund habe ich Timotheus zu euch gesandt, der mein lieber und getreuer Sohn ist in dem Herrn, damit er euch erinnere an meine Weisungen in Christus Jesus, wie ich sie überall in allen Gemeinden lehre.“ Paulus wollte ihnen nicht nur per Brief helfen. Deshalb schickte er ihnen Timotheus, der sein lieber und treuer geistlicher Sohn und damit auch sein bester Mitarbeiter war. Durch ihn wollte Paulus sie auch persönlich an die Weisungen erinnern, die er überall die Christen lehrte, damit sie ihr Leben wirklich gemäß dem Evangelium führen konnten.
Betrachten wir auch die Verse 18-21. Einige hatten sich in der Gemeinde wichtig gemacht und hatten behauptet, Paulus würde gar nicht nach Korinth kommen. Aber Paulus hatte vor, recht bald zu ihnen zu kommen. Dann wollte er nicht die Worte der stolzen Menschen, sondern ihre geistliche Kraft kennen lernen. Denn beim Aufbau vom Reich Gottes geht es nicht um Worte, sondern um die geistliche Kraft, die jemand besitzt. Schließlich fragte Paulus sie im Vers 21: „Was wollt ihr? Soll ich mit dem Stock zu euch kommen oder mit Liebe und sanftmütigem Geist?“ Paulus liebte sie wirklich. Darum wollte er, dass sie nun tatsächlich von seinem Beispiel lernen und ihre Gesinnung und Lebensweise nach dem Evangelium ausrichten. Dann könnte er ihnen bei seinem Besuch mit Liebe und sanftmütigem Geist begegnen. Wenn sie dagegen weiter stur auf ihrem verkehrten Weg bleiben würden, würde er sie zwar auch weiter lieben, aber seine Liebe müsste sich dann in strengem Tadel ausdrücken.
Lesen wir zum Schluss nochmals das Leitwort, Verse 1 und 2: „Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als dass sie für treu befunden werden.“ Möge Gott uns helfen, als treue Diener Christi zu leben und sein Evangelium unter allen Umständen treu zu studieren und weiterzugeben! Möge Gott dadurch das Jüngererziehungswerk im neuen Semester in jedem Bezirk reichlich segnen! Möge Gott sein Werk bis 2010 verdoppeln! Amen.
