Elisas Wunsch
Walter Nett
Elisas Verlangen
Leitvers: 2,9
Und als sie hinüberkamen, sprach Elia zu Elisa: „Bitte, was ich dir tun soll, ehe ich von dir genommen werde.“ Elisa sprach: „Dass mir zwei Anteile von deinem Geiste zufallen.“
Immer wieder lesen und hören wir von „letzten Worten bedeutender Menschen“. Goethe soll zuletzt gerufen haben: „Mehr Licht!“ Von Mark Twain heißt es, dass er sich im Sterben wünschte, er könnte noch einmal von vorne anfangen. Auch heute geht es um die letzten Worte eines großartigen Menschen. Doch statt etwas für sich zu wünschen, wollte er seinem Schüler noch einen Wunsch erfüllen. Darin offenbart sich seine wahre Größe. Aber als Kernpunkt möchten wir heute darüber nachdenken, welchen Wunsch sein Schüler hatte und was dies bedeutete. Was ist mein Herzensverlangen? Gott helfe uns, ein reifes Verlangen zu haben. Gott helfe uns, seinem Werk in unserer Zeit mit solchem Herzen zu dienen, wie Elia und Elisa es taten.
1. Ich verlasse dich nicht (1-7)
Dieses Kapitel beginnt mit den Worten (1): „Als aber der Herr Elia im Wetter gen Himmel holen wollte …“ Es ist der Anfang vom Ende Elias. Der Prophet Elia gilt nach Mose als wichtigster geistlicher Führer Israels im Alten Testament (Mk 9,2,8). Er lebte in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts vor Christus (bis ca. 850). Die Zeit seines Wirkens deckte sich fast mit der Regierung des Königs Ahab von Nordisrael. Nordisrael war von Juda abgefallen und hatte einen eigenen Götzendienst entwickelt. Ahab heiratete die heidnische Fürstin Isebel und verführte das Volk unter ihrer Anleitung zur Anbetung phönizischer Götzen wie Baal und Aschera. Zugleich befahl die Königin eine rigorose Verfolgung aller, die an Jahwe, den Gott Israels (und Judas), glaubten. Wer den Götzendienst verweigerte, wurde mit dem Tod bestraft. Das ganze Volk zitterte vor ihrer Willkürherrschaft. Aber Elia stand auf und forderte die Macht der Götzen heraus. Er rief die 450 Priester Baals auf den Berg Karmel zu einem ungleichen „Zweikampf“. Während sie gemeinsam mit aller Macht zu Baal um Feuer vom Himmel beteten, war Elia ganz allein. Nachdem die Baalspriester den ganzen Tag geschrien und sich wund geritzt hatten, rief Elia zu Jahwe, dem lebendigen Gott. Der lebendige Gott ließ Feuer vom Himmel kommen. Die 450 Götzenpriester mussten sterben. Vor den Augen des Volkes hatte Elia die Hilflosigkeit der Götzen und die Allmacht Gottes offenbart. Dennoch musste er vor der Rache der Königin Isebel fliehen und sich verstecken. In dieser Zeit versorgte Gott ihn durch Raben und später durch einen Engel. Gott gebrauchte ihn weiter als Bußprediger für den abtrünnigen König Ahab. Gott gebrauchte ihn als Hirten für ein so widerspenstiges „Schaf“. Elia war ein leidenschaftlich kämpfender Prophet. 850 Jahre später wurde Johannes der Täufer, der Jesus den Weg bereitete und den König Herodes herausforderte, mit Elia verglichen (2. Kön 1,8; Mt 3,4; 17,11-13).
Manchmal hatte Elia den Eindruck, als wäre er der einzige, der noch an den lebendigen Gott Jahwe glaubte (1. Kön 19,14). Sollte er wie Don Quichote gegen Windmühlen kämpfen? Er wurde fast depressiv und wollte lieber sterben. Da offenbarte Gott ihm (1. Kön 19,18): „ich will übrig lassen 7.000 in Israel, alle Knie, die sich nicht gebeugt haben vor Baal, und jeden Mund, der ihn nicht geküsst hat.“ Danach half Gott Elia, sich um die Schulung von Jüngern zu kümmern. Er fing an mit Elisa, einem Bauernsohn. Nach und nach entstanden überall in Nordisrael Zentren, in denen jeweils 50 Prophetenjünger geschult wurden. In der dunklen Zeit des Götzendienstes waren diese Prophetenschulen wie ein strahlendes Licht und wie eine Stadt, die auf einem Berge steht. Sie waren wie die Hausgemeinden in den islamischen Ländern, in China und sogar in Nordkorea.
Elisa war nur ein Bauernsohn, allerdings aus einer reichen Familie. Er hatte keine theologische Ausbildung genossen und keine Uni besucht. In der Jüngerschar Elias wurde er als Mann bekannt, „der Elia Wasser auf die Hände goss“. Kurz gesagt war er der Diener Elias. Der Diener eines Propheten musste u. a. die Schreibarbeit und alle Botengänge erledigen. Außerdem sollte er den Haushalt führen. Das wäre für den reich aufgewachsenen Elisa sehr demütigend gewesen. Jedoch trug er diesen Dienst gewissenhaft und tadellos. Als Elias Diener hatte er nicht die Gelegenheit, wie die anderen Prophetenjünger tagsüber verschiedene theologische Vorträge zu besuchen und abends beim Tischtennis zu entspannen. Er war immer mit Elia unterwegs. Seine Ausbildung war das Alltagsleben. Jesus setzte bei der Erziehung seiner Jünger den Schwerpunkt ebenso auf die praktische Ausbildung. Die Theorie gab er ihnen vorwiegend weiter, wenn er eine große Menge lehrte und wenn sie auf den staubigen Wegen unterwegs waren.
An jenem Tag war Elia in Gilgal. Von dort ging er nach Bethel und dann nach Jericho. Überall wollte er die Jünger ein letztes Mal besuchen und sein geistliches Vermächtnis hinterlassen: „Israel – ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk! Zurück zur Bibel! Frühgebet! Jüngererziehung durch Zweierschaft!“ Elias Botschaft war nicht kompliziert. Als er an diesem Tag von Ort zu Ort reiste, sagte er jedes Mal zu Elisa (2.4.6): „Bleib du hier …“ Es wäre für Elisa eine willkommene Zeit der Erholung. „Endlich mal einen Tag ganz für mich privat.“ Und dabei würde er sich auch als „gehorsam“ erweisen, weil er Elias Wort genau befolgte. Aber Elisa dachte nicht daran, frei zu nehmen. Er erwiderte jedes Mal: „So wahr der Herr lebt und du lebst: Ich verlasse dich nicht.“ Er war bereit, bis zum Ende mit Elia zu gehen. Er war bereit, obwohl es an diesem Tag besonders anstrengend war, Elia zu folgen. Er war bereit, weil er Elia bis zum Ende dienen und von ihm lernen wollte.
Ein lernwilliges Herz ist ein unverzichtbares Merkmal für Gottes Leute. Wer von Gott gebraucht werden will, soll sowohl von Gott als auch von den Glaubensvorgängern bis zum Ende lernen. Es ist nicht leicht, „bis zum Ende“ lernwillig zu sein. Wir geraten in Versuchung, irgendwann „einen Schalter umzulegen“ und zu sagen: „So ich bin jetzt Leiter; ich will jetzt nur noch lehren, was ich schon alles gelernt habe.“ Wer jedoch aufhört zu lernen, der hört auf zu wachsen. Wer aufhört zu lernen, könnte werden wie Korach. Korach hatte das große Privileg, dass er den Hohenpriester Aaron am Altar Gottes unterstützen durfte. Das war eine unverzichtbare, kostbare Aufgabe. Es war Korach aber nicht genug. Das Resultat seines Stolzes war, dass er viele andere anstachelte und dann mit ihnen zusammen unterging.
Im Gegensatz dazu war Josua ein lernwilliger Mann bis in sein hohes Alter. Er konnte das riesige Volk Gottes in das verheißene Land führen, weil er bis zum Ende von Mose gelernt und ihm treu gedient hatte. Petrus war menschlich nicht besonders. Manchmal war er sogar widerspenstig. Aber er tat Buße und demütigte sich und konnte so das Geheimnis der Liebe Jesu „bis ans Ende“ kennen lernen. Paulus war wiederum ein großer Gelehrter. Er hätte sich irgendwann auf seine Schriftkenntnis und seine Fähigkeit in Menschenführung verlassen können. Stattdessen erachtete er das alles „für Dreck, damit ich Christus gewinne. … Ihn möchte ich erkennen“ (Phil 3,8.10). Er wollte nicht aufhören, von Jesus zu lernen. Gott segnete dieses lernwillige Herz und vertraute ihm einen Menschen an, der genauso gesinnt war, Timotheus. Und er lehrte Timotheus, wiederum treue, lernwillige Menschen zu suchen und ihnen zu dienen.
Ein lernwilliges Herz ist ein Erkennungszeichen der Mitarbeiter unserer Gemeinde, angefangen mit Dr. Samuel Lee und M. Sarah Barry. Dr. Lee las jedes Jahr die Bibel mehr als einmal durch und markierte sie so sehr, dass sie ganz dick wurde. Obwohl er eine Vielzahl hochklassiger Predigten verfasst hatte, hörte er nicht auf, jedes Mal wieder mit einem leeren Blatt betend und zitternd anzufangen. M. Barry war anfangs die Arbeitgeberin von Dr. Lee. Aber sie schämte sich nicht, von ihm zu lernen und noch im hohen Alter beim Bibelstudium von blutjungen Studenten zu lernen. Bei uns in Köln I sind wir manchmal geteilter Meinung. Einige möchten am liebsten jedes Jahr die ganze Genesis studieren; sie hören nicht auf, von demselben Text immer mehr zu lernen, „welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist“ (Eph 3,18). Andere möchten lieber öfter mal was Neues; denn „alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit“ (2. Tim 3,16). Jedenfalls sind sie lernwillig; sie möchten bis zum Ende lernen. Gott helfe uns allen, dass wir bis zum Ende lernen – sowohl von Gottes Wort als auch von Gottes Knechten.
2. Zwei Anteile von Elias Geist (8-9)
Der große Prophet Elia und sein Jünger Elisa kamen von Gilgal über Bethel und Jericho an den Jordan. Da standen sie nun. „Da nahm Elia seinen Mantel und wickelte ihn zusammen und schlug ins Wasser; das teilte sich nach beiden Seiten, sodass die beiden auf trockenem Boden hinübergingen“ (8). Das war krass. Aber dieses Wunder der Teilung des Wassers, zum dritten Mal in der Bibel beschrieben, war nur ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte. Die beiden Unzertrennlichen standen jetzt am Ostufer des Jordans. „Und als sie hinüberkamen, sprach Elia zu Elisa: ’Bitte, was ich dir tun soll, ehe ich von dir genommen werde’“ (9a). Was für eine Bitte! Wie schon gesagt: Üblicherweise hat der Sterbende eine letzte Bitte. Er möchte noch einmal „O Gnade Gottes, wunderbar“ hören, noch einmal beten, noch einmal etwas bekommen. Elia war ganz anders. Elia wollte bis zuletzt etwas geben. Und er stellte Elisa frei, was es sein sollte.
Also, was könnte man sich von einem so großen Mann Gottes wünschen, der soeben mit seinem Mantel den Jordan geteilt hatte? Z. B. gerade diesen Mantel, quasi als „Zauberstab“. Oder irgendein anderes Wunder. Zumindest aber seine theologische Bibliothek. Wenn man plötzlich mit einem solchen offenen Angebot konfrontiert würde, wäre es gar nicht so leicht, sich richtig zu entscheiden. Elisa musste sich sofort entscheiden; er hatte keine Bedenkzeit. Was wählte er? Lesen wir Vers 9: „Und als sie hinüberkamen, sprach Elia zu Elisa: ’Bitte, was ich dir tun soll, ehe ich von dir genommen werde.’ Elisa sprach: ’Dass mir zwei Anteile von deinem Geiste zufallen.’“ Elisa bat darum, zwei Anteile von Elias Geist zu erhalten. Was bedeutet seine Bitte?
1. Elisa verlangte nach geistlicher Kraft. Elisa wünschte sich: „Dass mir zwei Anteile von deinem Geiste zufallen.“ Er wünschte sich keine materiellen Dinge und keine Zauberkraft. Sein Verlangen ging dahin, geistliche Kraft zu empfangen. Er hatte durch Elias Dienst erkannt, dass allein der Geist uns befähigt, Gottes Willen zu tun und Gottes Werk zu dienen. Was Elia groß machte, waren nicht Fähigkeit oder Mut, sondern sein Geist. Er war ein Mann, auf dem der Geist Gottes ruhte. Er war ein Mann, der sich dem Geist Gottes unterordnete. Er war ein Mann, der dem Geist Gottes folgte. Elisa erkannte, dass er ohne den Geist Gottes gar nichts tun könnte. Deswegen bat er darum, Anteil an Elias Geist, Anteil am Heiligen Geist zu bekommen.
Wir sehen den Unterschied, den der Geist Gottes ausmacht, sehr deutlich in den Jüngern Jesu. Bevor sie den Heiligen Geist empfingen, waren sie treu, aber hilflos. Sie waren so kraftlos, dass sie sich immer noch hinter Schloss und Riegel versteckten, als sie schon wussten, dass der gekreuzigte Jesus siegreich von den Toten auferstanden war. Sie wussten genug. Aber sie hatten keine Kraft, irgendetwas zu tun. Als sie jedoch die Kraft des Heiligen Geistes empfingen, verkündeten sie unermüdlich den Kreuzestod Jesu zur Vergebung unserer Sünden und seine siegreiche Auferstehung als unsere lebendige Hoffnung. Der Fischer Petrus konnte manchmal trotz aller seiner Mühe in einer Nacht nicht einmal ein klitzekleines Fischlein fangen (Lk 5; Joh 21). Der Heilige Geist ermöglichte ihm, ein Menschenfischer zu werden (Apg 2). Der Heilige Geist ermöglichte ihm, einen zeitlebens Gelähmten zu heilen, sodass der Mann vor Freude durch den Tempel tanzte (Apg 3). Der Heilige Geist ermöglichte es ihm sogar, dass er eine tote Frau zum Leben erweckte (Apg 9).
Der Heilige Geist ermöglichte koreanischen Studenten, die materiell arm waren und keinen Pass hatten, für die Weltmission zu beten. Der Heilige Geist ermöglichte ihnen, nicht nur zu beten, sondern dann auch tatsächlich die „Mission Impossible“ in Angriff zu nehmen. Der Heilige Geist half ihnen, die Sprachbarrieren und kulturellen Barrieren zu überwinden. Der Heilige Geist half ihnen, in 87 Ländern der Erde Studenten zu Jüngern Jesu zu machen. Der Heilige Geist ist noch immer die Quelle der Kraft für unseren Dienst. Immer wieder neu überlegen wir, wie wir den Studenten angemessen begegnen und dienen können. Wir haben den Yuppies, der Generation X, der Generation Y und der postmodernen Generation gedient. Manche sagen, die postmoderne Generation sei nun auch schon Vergangenheit. Es geht uns alles zu schnell. Wir verändern unsere Einladungskarten und –formen, den Musikstil, die Kleidung und vieles mehr. Was wirkt? Wie können wir den Strömungen der Zeit, dem Zeitgeist, richtig begegnen? Wir brauchen den Geist Gottes. Wir brauchen die Kraft des Heiligen Geistes. Das muss unser Verlangen sein, unser Herzensanliegen.
Eines Tages waren die Jünger verlegen, weil Jesus wieder lange gebetet hatte, während sie nach fünf Minuten dasaßen und ihre Fingernägel reinigten, die Ohren; dann versuchten sie ihren knurrenden Magen zu beruhigen; dann räusperten sie sich ganz laut, weil sie meinten, Jesus könnte eingeschlafen sein. Jedenfalls baten sie Jesus anschließend demütig (Lk 11,1): „Herr, lehre uns beten“. Daraufhin lehrte Jesus sie das Vaterunser. Dann fuhr er fort, ihnen die richtige Gebetshaltung vor Augen zu führen, indem er das Gleichnis vom bittenden Freund erzählte. Jesus sicherte seinen Jüngern, also auch uns, zu (Lk 11,9): „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.“ Zum Schluss sagte er das Beste (Lk 11,13): „Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!“ Der allmächtige Gott ist unser himmlischer Vater, der uns liebt und der uns nichts vorenthält, was wir nötig haben. Was ist unsere größte Not? Wir brauchen den Heiligen Geist. Darum dürfen wir den Vater um diesen Geist bitten, und wir werden ihn empfangen. Amen.
2. Elisa wollte den hingebungsvollen Dienst Elias fortsetzen. Sehen wir uns Vers 9 erneut an. Elisa bat nicht einfach um den Geist Elias. Sein Herzenswunsch war: „Dass mir zwei Anteile von deinem Geiste zufallen.“ Der Verweisvers in unserer Lutherbibel, 5. Mose 21,17, sowie andere Übersetzungen helfen uns, dieses Anliegen richtig zu verstehen (Elb., Hfa, GNB). Elisa bat um den „Anteil des Erstgeborenen“. Er betete, als rechtmäßiger Nachfolger Elias eingesetzt zu werden. Das war nichts Geringes. Wer könnte in die Schuhe dieses großartigen Mannes Gottes hineinpassen? Große Personen hinterlassen in der Regel große Lücken. Aber Elisa dachte nicht, dass eine Lücke entstehen sollte. Er dachte nicht, dass eine Lücke entstehen müsse. Er war bereit, in die Bresche zu springen. Das war keineswegs vermessen oder anmaßend. Es war vielmehr ebenso der Wunsch von Elia. Elia wünschte sich von ganzem Herzen, dass das Werk Gottes, für das er sich bis zur Erschöpfung hingegeben hatte, nicht geringer würde, sondern weiter wachsen könnte. Dies würde geschehen, wenn jemand mit aller Entschlossenheit den hingebungsvollen Dienst Elias fortsetzte. Das war der Grund, weshalb Elisa um zwei Anteile von Elias Geist bat, dass er um die Verantwortung der Nachfolge bat.
Er hätte „bescheiden sein“ und nur um einen einfachen Anteil beten können. Was hätte das bedeutet? Es hätte bedeutet, dass er nicht bereit gewesen wäre, die Verantwortung zu übernehmen. Er hätte nur den Segen haben wollen. Wenn aber niemand bereit ist, die Verantwortung zu übernehmen, wird die Gemeinde stagnieren und mittelfristig bedeutungslos werden. Darum war Elisas geistliches Verlangen eine notwendige Konsequenz. Sein geistliches Verlangen war die Frucht der Jüngererziehung durch Elia. Sein geistliches Verlangen zeigt, dass er von einem gewöhnlichen Bauern in einen reifen Mann Gottes verändert worden war. Elisa konnte im entscheidenden Moment sein geistliches Verlangen einfach und klar ausdrücken, weil er das Herz von Elia und das Herz Gottes verstand.
Vor einiger Zeit hat uns Dr. John Jun das Gebetsanliegen gegeben, bis 2010 das Werk Gottes in UBF zu verdoppeln. Deswegen haben einige gestöhnt und gesagt: „Das geht doch gar nicht; höchstens in Korea, vielleicht noch in Chicago. Aber keinesfalls bei uns.“ Andere haben gemeint, dass es nicht hilfreich sei, „zahlenorientiert“ dem Werk Gottes zu dienen. Aber lasst uns versuchen, das Herz von Dr. John Jun zu verstehen. Lasst uns vor allem das Herz Gottes verstehen. Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn am Kreuz opferte, „damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben“ (Joh 3,16). Gott „will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“ (1. Tim 2,4). Gott „will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde“ (2. Petr 3,9). Gottes Herz ist klar und einfach zu verstehen. Dr. John Jun ist bereit, die Verantwortung zu übernehmen und Gottes Herzensverlangen zu entsprechen.
Was aber bedeutet es für uns konkret, die einzelnen Gemeinden zu verdoppeln? Sollen wir doppelt so viel Zeit aufwenden? Sollen wir doppelt so viele Einladungskarten verteilen? Sollen wir alles doppelt machen? Ich weiß es nicht. Eins aber weiß ich: Wir können das Werk Gottes unter uns verdoppeln, wenn JEDER von uns EINEM Menschen dient. Mehr ist nicht nötig. So einfach ist das. Jetzt liegt es an uns. Sind wir bereit, diese Verantwortung zu übernehmen? Oder sind wir damit zufrieden, den Segen Gottes für uns zu genießen? Das ist der Unterschied zwischen zwei Anteilen und einem Anteil.
3. Wo ist nun der Gott Elias? (10-25)
Wie reagierte Elia auf die Bitte seines Jüngers? Er sagte (10): „Du hast Schweres erbeten. Doch wenn du mich sehen wirst, wie ich von dir genommen werde, so wird’s geschehen; wenn nicht, so wird’s nicht geschehen.“ Elia konnte ihm kein Versprechen geben. Aber kurz darauf, als sie noch miteinander gingen und redeten, „kam ein feuriger Wagen mit feurigen Rossen, die schieden die beiden voneinander. Und Elia fuhr im Wetter gen Himmel“ (11). Elisa sah diese atemberaubende Szene: Gott entrückte Elia, sodass er nach dem hingebungsvollen Glaubensleben die Schmerzen des Todes nicht auch noch schmecken musste. Wie im Triumphzug eines siegreichen Feldherrn wurde Elia von der Erde in den Himmel erhoben. Als Elisa dies sah, schrie er laut (12): „Mein Vater, mein Vater, du Wagen Israels und sein Gespann!“ Sein Herz brannte vor Schmerz um diesen unbeschreiblichen Verlust. Ein Verlust für Elisa, aber viel mehr noch für das Volk Israel, dessen guter Hirte Elia gewesen war.
Von Elia war nichts mehr zu sehen – außer dem Mantel, der ihm entfallen war und der nun am Boden lag. Elisa hob das Stück auf und ging zurück zum Jordan. Er nahm den Mantel, wie Elia es getan hatte, und schlug ins Wasser. Dabei fragte er (14): „Wo ist nun der Herr, der Gott Elias?“ Da teilte sich das Wasser des Jordans, sodass Elisa auch den Rückweg trockenen Fußes gehen konnte. Auf diese Weise konnte Elisa erkennen, dass Gott sein Gebet erhört und ihn als Nachfolger Elias bestätigt hatte. Und als das die Prophetenjünger sahen, die ihn aus der Gegend von Jericho beobachtet hatten, sprachen sie (15): „Der Geist Elias ruht auf Elisa“. Sie erkannten ihn als Elias Nachfolger, den Gott eingesetzt und bestätigt hatte, an.
In Vers 19-25 finden wir zwei kontroverse Ereignisse aus dem anfänglichen Wirken Elisas. Die Leute von Jericho klagten darüber, dass eine Quelle unfruchtbar mache. Elisa streute eine Schale Salz hinein und verkündete Gottes Zuspruch (21): „Ich habe dies Wasser gesund gemacht; es soll hinfort weder Tod noch Unfruchtbarkeit von ihm kommen.“ Wenn ihr nach Jericho reist, dann könnt ihr noch heute „Elisas Brunnen“ finden und daraus trinken. – Gleich nach diesem segensreichen Wirken ging Elisa nach Bethel. Eine große Schar frecher Jungen verspottete ihn, als sie ihn von oben sahen und seine kahle Stelle am Kopf bemerkten. Diese kahle Stelle war ein Merkmal dafür, dass er ein Prophet war. Darum war der Spott der Jungen nicht bloß ein Dummejungenstreich. Sie verspotteten Gott, indem sie seinen Knecht verhöhnten. Elisa reagierte scharf und verfluchte sie im Namen des Herrn. Wäre es um seine menschliche Ehre gegangen, hätte er seinen Stolz heruntergeschluckt und den Spott ignoriert. Weil sie aber Gott angriffen, warnte er sie laut und deutlich. Doch seine Warnung kam für die meisten zu spät, weil schon zwei Bären kamen und 42 von den Kindern töteten. Gott lässt sich nicht spotten (Gal 6,7).
Wenn wir das Wirken Elisas im 2. Buch der Könige betrachten, finden wir, dass er sich in vielen Punkten von Elia unterschied. Eines aber ist klar: Gott gebrauchte ihn als Hirten für die Könige und das Volk Israels, wie er zuvor Elia gebraucht hatte. Gott machte ihn sogar zu einem internationalen Hirten.
Wir sind auch sehr verschieden. Wir sind nicht wie Elia und nicht wie Elisa. Aber der vorliegende Text hat uns gezeigt, dass wir Gottes Werk in unserer Zeit dienen können, wenn wir Gott um seinen Heiligen Geist bitten. Gott kann uns durch seinen Geist kostbar gebrauchen, wenn wir bereit sind, die Verantwortung zu übernehmen, indem wir um „zwei Anteile“ seines Geistes bitten. Gott helfe uns, zur Ehre seines Namens das Werk Gottes in Deutschland bis 2010 zu verdoppeln.
