Lebenszeugnis Jim Paul
Jim Paul (Toledo)
Vorbereitung auf meine letzten Worte
2. Samuel 23,1
„Dies sind die letzten Worte Davids. Es spricht David, der Sohn Isais, es spricht der Mann, der hoch erhoben ist, der Gesalbte des Gottes Jakobs, der Liebling der Lieder Israels.“
I. Mein Leben; wer ich war und wer ich jetzt bin
Hallo, ich heiße Jim Paul. Ich bin ein amerikanischer Hirte. Aber ich bin auch ein deutscher Hirte, weil beide Seiten meiner Vorfahren aus Deutschland stammen. Dies ist mein Lebenszeugnis. Ich wurde 1944 in der Autostadt Detroit, Michigan, geboren. Tja, ich bin 64 Jahre alt. Ich wuchs in einer guten und liebevollen Familie auf. Ich ging zur katholischen Grundschule und dann auf das landesweit angesehene katholische Gymnasium in Toledo. Ich war ein guter Schüler und ein gehorsamer Sohn. Aber als ich 16 war, hatte ich mit der katholischen Religion eine Glaubenskrise und verließ die Kirche. Im zweiten Studienjahr an der Uni Toledo traf ich meine geliebte Susan, die ich später heiratete. In diesem Monat feiern wir unseren 42. Hochzeitstag. Wir haben zwei feine Söhne, Trent und Wade. 1987 kam Trent zu UBF, und Wade folgte ihm kurz darauf. Anfang 1988 kam auch Sue, ich aber nicht. Auf keinen Fall. Trent fing an, mich zu drängen, „Tu Buße oder du wirst sterben“, „Fang mit Bibelstudium an.“
Wenn ich über Davids Leben nachdenke, erkenne ich, dass ich wie einer der Helden Davids war, als er ihnen zum ersten Mal begegnete. Ich war ein Flüchtling. Ich war 28 Jahre von Gott getrennt und verloren gewesen. Ich war in Schulden – in großen und untilgbaren Sündenschulden. Ich war in Not und zerbrochenen Herzens. Obwohl ich die beste Frau der Welt hatte, zwei feine Söhne, eine tolle Arbeit und gute Gesundheit, war ich dennoch elend. Ich wusste allerdings nicht genau, warum. In diesem Monat sind es 20 Jahre, dass ich zögernd mit dem Bibelstudium anfing, und Dr. Paul Hong war mein Bibellehrer. Wahrhaftig wurde er mein David, indem er mich in all diesen Jahren als Hirte und Freund erzog und leitete. Obwohl ich mürrisch, hochmütig und geistlich erstaunlich unwissend war, behandelte er mich mit Liebe und Respekt. Ich hatte eigentlich keine Talente oder Nachweise, dass ich für eine Gemeinde nützlich sein könnte. Doch Gott fand einen Weg, das, was ich hatte, zu gebrauchen, und Dr. Paul Hong ertrug mich und ermutigte mich. Ich danke Gott, der mich grundlegend verändert hat von einem nutzlosen Mann in einen Bibelstudenten und Bibellehrer, einen Hirten, seit 15 Jahren KBF-Lehrer und –Leiter und Teil des Teams von Schreinern, das unser jetziges Zentrum völlig umgebaut und aus einer Baracke in ein gnädiges Bibelhaus verändert hat. Vor 12 Jahren begannen wir mit dem Gebetsdiener-Kreis, und ich wurde dessen Leiter. Ich leite die Gebetsrunde am Sonntagmorgen um 8 Uhr, die den Predigtdienst von Prof. Paul unterstützt, und seit 6 Jahren gehöre ich zu dem dreiköpfigen Komitee, das über unsere Ausgaben und unser Budget verfügt. Gott hat sogar mein geringes fotografisches Talent gebraucht, um viele Fotos auf Hochzeiten und Konferenzen zu schießen, darunter 1.500 Fotos in Purdue und einige sogar auf diversen Weltmissionskalendern von UBF.
II. Wer ich sein werde
Wer ich sein werde, das hängt wesentlich davon ab, wer ich war – was ich in meinem Leben getan habe. Aber ich kann nichts davon nachträglich verändern. Das Leben läuft nicht problemlos. Das kann einfach nicht sein. 2004 wurde bei meiner Susan ein schwerer Krebs diagnostiziert, der nicht auf Östrogen reagierte, was bedeutet, dass es keine Behandlungsmöglichkeiten gab. Sie/wir machten viele Operationen durch, Bestrahlung, Chemotherapie und zuletzt ein neues biogenisches Wundermittel namens Herceptin, das nur die Krebszellen angreift. Die Zulassung des Präparats kam gerade 2 Tage, bevor Susan die Anwendung benötigte. Für uns war es ein Wunder Gottes. Durch Gottes Gnade ist sie jetzt vom Krebs befreit und wurde für geheilt erklärt. Inmitten unseres gemeinsamen Kampfes mit dem Krebs ging es meiner Firma schlecht, und sie wurde für einen Spottpreis verkauft, obwohl ich mich besseren Wissens dagegen wehrte. Es waren die schwierigsten und stressigsten Tage unseres Lebens. Aber wir gewannen dadurch einen Glauben, der stärker und aufrichtiger war als zuvor. Man bereitet sich auf solche Ereignisse nicht vor, sondern sie tauchen einfach auf. Sie erfordern Jahre hingebungsvollen Gebets und Gottes Wort. Unsere UBF bereitete uns vor und gab und die Werkzeuge und das Geschick, diese Werkzeuge zu bewahren und zu verfeinern.
Also, wer ich sein werde, hängt davon ab, wer ich heute bin, was ich Tag für Tag tue. Ich werde gemäß meinem betenden Geist wachsen, gemäß der Selbstdisziplin sowohl in geistlicher wie in leiblicher Hinsicht, gemäß meiner Hinwendung zu Gottes Wort und vor allem gemäß meiner Hingabe für Gottes Plan mit meinem Leben und seiner Vision für mich und der Bereitschaft, sie zu verfolgen. Ich habe erwähnt, dass ich meinem Sohn in diese Gemeinde gefolgt bin. 2006 verließen sowohl Trent als auch Wade die UBF. Es brach mir das Herz. Wir waren doch „die Missionsfamilien Paul“. Jetzt bringen sie sich in einer sehr großen Gemeinde ein und wirken aktiv mit. Wenn Eltern über 60 sind, folgen sie sehr häufig ihren Kindern. Viele erwarteten, dass wir die Gemeinde verlassen würden. Doch das taten wir nicht. Hier hat Christus mich gefunden, mich gerettet und Sinn in mein Leben gebracht. In meinem alten Leben, diente ich mir selbst und meiner Familie. Ich spielte gern Tennis auf hohem Niveau, ich ging tauchen, ich raste mit schnellen Autos – naja, das tue ich noch immer – und vieles andere mehr. Aber seit ich zu UBF gekommen bin, diene ich zuerst Gott, dann meiner Familie und dann den Studenten und meinen KBF-Kindern. Die großen Gemeinden haben oft ein weniger striktes Programm und fordern weniger Hingabe und Zeit ein. Es wäre ganz nett, einfach mal abzuschalten und es sich bequem zu machen. Aber in dieser Gemeinde werde ich echt angespannt, damit ich in der Tiefe der Erkenntnis Gottes wachsen kann und im Wesen Gottes und in seinen großen Plänen mit mir. Meine Söhne werden ihre Sache gut machen und ein Segen für ihre Gemeinde sein. Doch für meine Frau und mich ist dies der Ort, wo Gott uns hingestellt hat, und dafür sind wir aufrichtig dankbar.
Mit über 64 Jahren habe ich von meinem Leben mehr hinter mir als vor mir, es sei denn, dass ich 140 werde. Ich musste an Davids letzte Worte denken. Zuerst dachte er an seinen Vater Isai. Isai war kein Fürst oder berühmter General. Er besaß einige Schafe und hatte 8 Söhne. Dennoch vergaß David nicht seine niedrige Herkunft. David dankte Gott und erkannte, dass er hoch erhoben war, und er lobte Gott. Dann folgte keine weitere Würdigung, weil David die richtige Einsicht hatte. Alles war Gottes Wirken und Gottes Gnade. Schließlich sagt er, dass er der Liebling der Lieder Israels war. David ist am Ende seines Lebens und hat Gottes Einsicht. Er war ein König, ein Dichter, ein Krieger, ein General, ein Riesentöter, ein Leiter großartiger Männer, ein Hirte der Schafe, Hirte eines Volkes und ein Mann, den sein Volk liebte, ein Mann, den Gott als einen Mann nach seinem eigenen Herzen anerkannte. Jedoch war er reif genug und hatte geistliche Weisheit zu erkennen, dass nur das, was von Gott und für Gott ist, einen echten Wert hat. David war demütig, und deswegen konnte Gott ihn gebrauchen.
Ich war der Mehrheitseigner und Vorstandsvorsitzende von Radco, einem Unternehmen, das Maschinen genau nach Wunsch entwarf, entwickelte und baute. Viele davon setzten hochmoderne Roboter ein. Viele waren einige Millionen Dollar wert. Mit insgesamt 20 Leuten bauten wir Systeme, an die sich sonst niemand herantraute. Wir hatten einen hervorragenden Ruf bei vielen Kunden und sogar Konkurrenten. Doch welchen Einfluss haben wir eigentlich gehabt? Kennt einer von euch die Maschine, die das vordere Fahrwerk von GM (Opel) trägt, oder die Hochgeschwindigkeitsmaschine, die Flaschen für Downey Wasserenthärter zusammensetzt? Das alles spielt keine Rolle. Doch indem ich älter werde, könnte ich ein Opfer des Syndroms „gesammelter Leistungen“ werden. Im Verlaufe eines Lebens werden die erbrachten Leistungen naturgemäß immer mehr, manchmal sogar großartiger. Ein berühmter Tennisspieler sagte: „Jedes Jahr hat sich in meiner Vorstellung das Spiel, das ich früher spielte, verbessert.“ Pastor Paul sagte einmal, er habe gesehen, dass Hochmut mehr Knechte Gottes zu Fall bringt als jede andere Sünde. David war ein demütiger Mann; aber als er mächtig wurde und viele Siege errungen hatte, blieb er dem Krieg fern, weil er stolz geworden war. Er sah eine wunderschöne Frau, die aber nicht seine war, und er nahm sie einfach, weil er das tun konnte. Er war der König. Sein Ehebruch und sein Mord an Batsebas Ehemann Uria stürzten Davids Familie und sein Land in eine lange Zeit von Leiden und Wirren. Aber durch Gottes Vergebung und Gnade, konnte er einen guten Schluss erreichen. Ich bete, dass ich bis zum Ende meiner tage demütig bleibe.
Als ich in die Gemeinde kam, wog ich etwa 68 Kilo und hatte einen Ruhepuls von 46. Vor einem Jahr wog ich viel mehr und hatte einen Ruhepuls von etwa 80. Meine Energie, meine Ausdauer, mein Aussehen und meine Gesundheit waren nicht so, wie sie sein sollten. Im Januar fing ich mit einer rigorosen Diät und Gewichtskontrolle an. Ich habe 10 Kilo abgenommen, mein Ruhepuls ist 66 und mein Cholesterinspiegel 125. Ich habe erkannt, dass meine körperliche Verfassung gut sein muss, damit ich meine Aufgaben in der Gemeinde tragen kann. Ich fühle mich großartig. Das muss eine lebenslange Gewohnheit sein.
Zum Schluss: Was kann ein Rentner über 60 in dieser Gemeinde tun? Viele Leute setzen sich zur Ruhe und stagnieren. Sie haben sich durch ihren Beruf definiert. Der war ihr ganzes „Kapital“, und ohne ihn fühlen sie sich nutzlos. Mein „Kapital“ ist hingegen gewachsen. Jetzt kann ich noch viel mehr Zeit einsetzen für meinen Kreis, meine Schafe, das Einladen, für Reisen wie die jetzige und für neue Spezialprojekte wie einen Bus- und Herbergsdienst für ausländische Gäste der Purdue-Konferenz. Ich gehöre auch zu einer Gruppe, die prüft, wie wir unseren Gottesdienstsaal weiter ausbauen und die Bibelstudien- und Versammlungsräume renovieren können. Meine ganze frühere Karriere war ein Training für Gottes Werk. Ich erwarb Geschick in Geschäfts- und Finanzfragen, Führung und Mitarbeit und außerdem viele persönliche und geschäftliche Freunde, die für die Angelegenheiten der Gemeinde hilfreich waren. Nun endlich bin ich bereit, zur Armee des Herrn zu gehören.
Doch es bleiben zwei sehr wichtige Aspekte. Erstens mein Fokus. Ich muss mich auch weiterhin aufmachen und der Studentenmission dienen und mit Studenten Zweierbibelstudium machen. Zweitens Disziplin. Ich muss auch weiterhin an den Gewohnheiten festhalten, die mir helfen, Gott nahe zu sein. David brach mit seiner Gewohnheit und musste einen hohen Preis dafür bezahlen. Susie und ich haben seit 17 Jahren jeden Morgen und Abend zusammen gebetet. Wir müssen diese gemeinsame und persönliche Gebetszeit festhalten und ausdehnen. Große Dinge kommen auf uns zu, aber es erwarten uns auch Schwierigkeiten. Gott gibt mir die Gnade, mit allen Dingen gut umzugehen, aber ich muss auch geistlich und leiblich gesund bleiben. Ich glaube fest daran, dass dieses letzte Drittel meines Lebens (das hieße, ich würde 96 und hätte genug Zeit, meinen Spätstart wiedergutzumachen) der produktivste, einflussreichste, erfüllendste und Gott wohlgefälligste Abschnitt sein wird. In meinem Leben schreibe ich jetzt die Schlusskapitel meiner letzten Worte, die zu der Hinterlassenschaft gehören, die der Herr mir ermöglichen wird. Ich bete, dass ich einen guten Abschluss schaffe und sagen darf: „Ich habe dem Herrn bis zum Ende gedient.“
Ich habe zwei Gebetsanliegen: Erstens, dass Sue und ich geistlich, geistig und leiblich hervorragend gesund bleiben, um Gott und der Campusmission nach einige Jahrzehnte gemeinsam zu dienen. Zweitens, dass wir 12 Jüngerfamilien dienen und einsetzen dürfen.
Ein Wort: Demütig bleiben, nah bei Gott bleiben, diszipliniert bleiben und Gott gemäß seiner Vision und seinem Plan für mich bis zum Ende dienen.
