Nelson Mandela

Deutsche Leiterkonferenz September 2008
Dr. Jeremia Kim (Berlin)
Nelson Mandela: Der lange Weg zur Freiheit

I. als ein ANC-Politiker (1918- 1963)

Er ist am 18. Juli 1918 als Sohn eines Thembu-Häuptlings in Mvezo, einem kleinen Dorf in der Transkei geboren. Sein Vater gab ihm einen Namen mit Rolihlahla (Unruhestifter). Sein Vater war als Königsberater und Königsmacher im Thembu-Stamm eine wichtige Persönlichkeit. Aber wegen seines Ungehorsams gegenüber einen weißen Magisteratsbeamten verlor er seinen Titel und sein Vermögen. Er arbeitete in einer Goldmine und war danach durch eine Lungenkrankheit gestorben. Der König der Thembus schickte Mandela in die Schule, denn er wollte aus ihm einen Königsberater machen, wie sein Vater einer war. Er wurde Internatsschüler im Clarkebury Institut, das damals die beste Lehranstalt für die Afrikaner aus der Transkei war. Er strebte wie die andere Schüler danach, „black Englishmen“ zu werden.

Schließlich besuchte er die Universität von Fort Hare – in unserem Schulsystem würden wir eher von den höheren Klassen eines Gymnasiums sprechen. Im fernen Europa tobte der Weltkrieg, und er war ein feuriger Anhänger von Großbritannien. Als ein Junge seines Alters äußerte, dass die Engländer die Afrikander unter dem Vorwand, sie zu zivilisieren, unterdrückt hätten, fand er diese Meinung „gefährlich radikal“. Er wurde in den Studentenrat gewählt. Aber wegen eines Boykotts der Wahl bekam er eine Warnung, von Fort Hare ausgeschlossen zu werden. Er weigerte sich, seine Verpflichtung gegenüber den Studenten zu verleugnen. Er konnte weder nach Fort Hare, noch nach dem Palast des Thembus-Königs zurückkommen.

1941 floh er nach Johannesburg. Er bekam Arbeit als Nachtwächter in einer Goldmine. Aber als die Weißen im Büro erkannten, dass er ein Flüchtling war, der mit der traditionellen Stammeshierarchie gebrochen hatte, wurde er sofort von der Mine gejagt. Auf die Empfehlung eines Verwandten traf er einen Immobilienmakler, namens Walter Sisulu, der einen beträchtliche Rolle in der Geschichte Südafrikas spielen und sein Vorbild, Lehrer und Mentor sein wird. Er wusste, dass Mandela davon träumte, Rechtsanwalt zu werden. Er empfahl ihn seinem Freund Lazar Sidelsky, der sich ganz besonders für die Ausbildung von Schwarzen interessierten. Mit seiner Hilfe konnte Mandela als ein Praktikant im Anwaltsbüro arbeiten. Von 1943 bis 1949 machte er sein Jurastudium an der Universität Witwatersrand. Diese Uni war multirassisch und eröffnete ihm eine neue Welt von Ideen, politischen Überzeugungen und Debatten. Viele weiße Studenten an dieser Uni waren gegen den Rassismus.

In diesem Zeitpunkt interessierte er sich für die Politik.. Mandela schloss sich dem Afrikanischen Naitionalkongress (ANC) an. Er wurde zum Exekutivkomitee gewählt. Inzwischen entwickelte sich Südafrika rasch zum einzigen Staat der Welt, in dem der Rassismus systematisch und detailliert kodifiziert wurde. 1949 wurde die sexuelle Beziehungen zwischen Personen verschiedener Rassen gesetzlich verboten. 1950 wurde die rassische Klassifizierung aller Südafrikaner durch die Regierung durchgeführt. 1952 wurde die Segregation im Transportwesen und an allen öffentlichen Orten gebracht. 1954 mussten schwarze Bewohner umsiedeln, die in den als weiß deklarierten Zonen wohnten. 1957 wurden 2 Grundprinzipien festgelegt. Das Erste besteht darin, dass ein Schwarzer keinen Weißen an einem gleichwertigen Arbeitsplatz ersetzen könne; das Zweite, dass ein Schwarzer niemals eine hierarchisch höhere Position als ein Weißer einnehmen dürfe. Der ANC kämpfte gegen diese Apartheid. Anfang der 50-er Jahre eröffnete er die erste rein afrikanische Rechtsanwaltskanzlei mit seinem Kollegen Oliver Tambo, nachdem er die staatliche Rechtsanwaltsprüfung bestanden hatte. Dadurch half er den in die Not geratenen Afrikanern.

Im Dezember 1951 schlug der Generalsekretär des ANC Walter Sisulu ein Programm „zivilen Ungehorsams“ als eine Massenaktion vor. Diese Massenaktion wurde von der Regierung hart verfolgt. Im Juni 1952 hielt Mandela seine Rede in Durban vor 10.000 Personen. Einige Tage später wurde er bei einer Razzia festgenommen. Im September 1952 wurden die Angeklagten zu neun Monaten Gefängnis mit Schwerstarbeit verurteilt, doch wurde die Strafe auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Der ANC stieg infolge der Kampagne rasch auf 100.000 eingeschriebene Mitglieder an.

Der ANC machten seinen Kampf gegen die Apartheid mit anderen Politikern weiter. Im Juni 1955 billigte ein aus tausend Delegierten zusammengesetzter Volks-Kongress eine Freiheits-Charta. Mandela beteiligte sich an der Ausarbeitung dieser Charta. Sie verkündete: „Südafrika gehört allen, die dort leben, Schwarzen wie Weißen, und keine Regierung kann rechtmäßig Autorität beanspruchen, solange sie nicht auf dem Willen des Volkes beruht.“ Er wurde wieder am 5. Dez. 1956 festgenommen. Aber dieser Prozess verzögerte mehrmals und begann endlich am 3. August 1958, 2Jahre und 8 Monate nach der Verhaftung der Angeklagten. Während dieses Prozesses passierte das Massaker von Sharpeville am 21. März 1960. Die Polizisten haben die Demonstranten geschossen und 67 sind getötet und 400 wurden verletzt. Der ANC organisierte einen nationalen „Tag der Trauer und des Protests“. Dagegen erklärte die Regierung den Notstand und verhängte das Kriegsrecht über das Land. Mandela wurde schließlich im Oktober 1962 zu 5 Jahre Zwangsarbeit ohne Bewährung verurteilt. Aber im Juli 1963 wurde er vom Behöreden als Chef der Geheimarmee bekannt. Am 9. Oktober 1963 begann der neue Prozess.

II. Gefängnisleben (1964 -1990)

Dieser Rivonia-Prozess wurde am 11. Juni 1964 abgeschlossen. Mandela wurde mit seinen 6 Freunden zu lebenslanger Haft verurteilt. 27 düstere Jahre sollte er im Gefängnis in Robben Island bleiben. Seine Zelle war etwa 3 x 3 Meter groß. Was hat er dort getan und auf welcher Weise hat er seine Führungskraft entwickelt?

1) die Stärkung seiner Innerlichkeit durch Leiden. Eigentlich war er eine schwarze Elite. Aber er hat als ein Gefangener im Alltagsleben Verachtung, Misshandlung und barbarische Gewalt erfahren. Im Gefängnis sollte er wie andere Gefangene jeden Tag zum Kalksteinbruch gehen und eine Zwangsarbeit machen. Er war völlig isoliert, so dass er unter der tiefen Einsamkeit litt. Als seine Frau auch festgenommen wurde und sein erster Sohn durch den Unfall getötet wurde, erfuhr er unerträgliches Qual. Einerseits wurde er dadurch innerlich stark. Deshalb war er in der Lage, einige der grausamsten Erfahrungen zu überstehen. Dabei konnte er andere Gefangene und sein leidendes Volk von tiefem Herzen verstehen und ihnen helfen.

2) Weiterbildung im Gefängnis. Durch die Literaturen hat er sich weiter gebildet. Die Gefängnisbehörde hat ihm jedes politische Buch verboten. Deswegen sollte er nur Romane oder Bibliographie lesen. Sogar machte er ein Theaterstück, nachdem er Sophokles gelesen hat. Dadurch lernte er die Grundlage für eine Führungsrolle und die Pflichterfüllung gegenüber dem Volk. Durch General Kutusow, der Napoleon besiegt hat, hat er gelernt, dass ein Leiter seine Entscheidung auf eine genaue Kenntnis seiner Leute und seines Volks treffen soll.

3) Er gewann die Menschen und machte die Zusammenarbeit mit ihnen. Er versuchte, alle Menschen, selbst seine Feinde zu gewinnen. Er und seine Mitgefangene waren in einzelner Zelle isoliert und die Unterhaltung zwischen ihnen war verboten. Um sich mit anderen zu unterhalten, musste er zuerst die Gefängnisaufseher, der ihnen nicht zu sprechen erlaubten, zu seinen Freunden gewinnen. Er tat sein Bestes, um Einfluss auf sie zu nehmen. Als er sie gewonnen hat, erleichterte die wichtigste Aufgabe, die Kommunikation zwischen den Gefangenen. Danach konnte er mit ihnen einige geheime Organisation aufbauen. Um die andere Gefangene zu gewinnen, hat er seinen ehemaligen Beruf als Rechtsanwalt benutzt. Er gab ihnen die passende Anweisungen. Schließlich baten Kameraden ihn voller Respekt um seinen Rat. Seine Führung wurde unter den Gefangenen völlig anerkannt. Weiter hat er die Verbindungen mit den Außenmitarbeitern aufgebaut. Im Juli 1976 brach die blute Revolte der Schulkinder von Soweto aus. Er schätzte die Tragweite des Geschehens rasch ab. Er hielt ihnen eine flammende Rede durch die Vermittlung eines freigelassenen Gefangenen. Als er die Menschen gewonnen hat, konnte er sogar seinen Einfluss auf die andre Menschen, die draußen waren, ausüben, obwohl er immer noch in einer Zelle völlig isoliert war.

4) Er erzog seinen Nachwuchs. Meisten von jungen Gefangenen hatten kaum Schulbildung. Aber er und sein geheimes Oberkommando erzogen jungen unwissenden Gefangenen zu den klugen verständnisvollen Aktivisten. Diese junge Aktivisten wurden später sein starker Mitarbeiter. Um die Information und Bildung jünger Aktivisten im Ausland zu geben, wagte er sogar seine Memorien zu schreiben. Leider wurde sein Manuskript vom Gefängnisdirektor entdeckt und sein Plan scheiterte. Trotzdem erkennen wir dadurch seinen starken Wunsch, seinen Nachwuchs zu erziehen.

III. sein weiterer Kampf für die Freiheit (1990 – jetzt)

Am 11. Februar 1990 wurde er schließlich von der 27 jährigen Gefangenschaft frei. Er war damals 72 Jahre alt. Was konnte er in diesem hohen Alter machen? Aber er kämpfte weiter gegen die Apartheid und für die Freiheit seines Volks. 1993 erhielt er den Friedensnobelpreis wegen seines Friedenskampfs gegen die Apartheid in Südafrika. 1994, als er schon 76 Jahre alt war, forderte er die Präsidentschaft heraus und wurde schließlich zum ersten schwarzen Präsidenten in Südafrika gewählt. Es gelang Mandela, Südafrika ein neues Gesicht zu geben und Schwarz und Weiß miteinander zu versöhnen. Sein Leben wurde ein Mythos nicht nur in Südafrika, sondern auch in ganzem Afrika. Dieses Jahr ist er 90 Jahre alt. Aber sein Einfluss auf ganzes Afrika ist immer noch stark. Als ich einen Kameruner in meinem Institut nach seiner Meinung nach Nelson Mandela fragte, antwortete er voller Freude: „I love him !“

Durch sein Leben habe ich tiefen Eindruck bekommen. Er war ein Politiker. Trotzdem kämpfte er für die Freiheit bis zum Ende und riskierte sein ganzes Leben. Vor allem ist mir sehr beeindruckend, dass er im Gefängnis andere Gefangenen als seine Mitkämpfer gewonnen und junge Aktivisten erzogen hat. Was soll ich als Streiter Jesu Christi tun? Wenn ich auf mein 8 jährigen Missionsleben zurückblicke, schäme ich mich sehr, weil ich mein Lebensziel nicht klar gemacht habe. Ich bete, dass ich wirklich ein tüchtiger Jüngererzieher werde. Mandela hat durch die Romane viele Dinge gelernt. Gott hat mir sein lebendiges Wort gegeben. Ich bete, dass ich durch das Bibelstudium Gott und meinen Herrn Jesus Christus tiefer erkennen kann. Gott helfe mir, unabhängig von der widrigen Situation mein Missionsleben auf die Jüngererziehung zu konzentrieren!

IV. Literatur

1. „Der lange Weg zur Freiheit“, Nelson Rolihlahla Mandela, 2007, Spiegel-Verlag.
2. „Der Sieg des Nelson Mandela“, John Carlin, 2008, Verlag Herder.
3. „Nelson Mandela“, Jack Lang, 2006, Patmos Verlag.