2. Hauptbotschaft von H. Abraham Ian Kaier
Hallo, mein Name ist Abraham Kaier. Ich bin Künstler und Dozent. Durch diese Botschaft werdet ihr noch mehr über mich erfahren, aber eine Sache ist ganz klar: Obwohl ich ein Sünder bin, hat Jesus mir meine Sünden vergeben.
DEINE SÜNDEN SIND DIR VERGEBEN
Markus 2, 1-20
Leitverse 2, 5
„Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.“
In diesem Abschnitt trifft Jesus auf zwei spezielle Menschen: einen Gelähmten und einen Zöllner. Oberflächlich betrachtet könnten sie nicht unterschiedlicher sein. Der eine verbrachte jeden Tag eingesperrt in seinem eigenen Körper, unfähig sich zu bewegen; der andere war scheinbar sehr fähig und profitorientiert. Wenn wir sie aber aus der Nähe betachten, erkennen wir dass sie beide unter einem inneren Sündenproblem litten. Sie hatten keine Hoffnung: einer von ihnen lag auf seinem Bett, der andere saß an seinem Häuschen, ohne die Möglichkeit zur Veränderung. Doch Jesus hatte Hoffnung für sie. Mit ein paar einfachen Worten vergab Jesus ihre Sünden und veränderte ihr Leben von Grund auf. Ich bete, dass wir durch diese Botschaft Jesus begegnen, der die Macht hat, alle unsere Sünden zu vergeben.
I. „Steh auf, nimmt dein Bett, und geh heim.“ (1-12)
Betrachten wir Vers 1 und 2. Jesus war an einsamen Orten außerhalb von Kapernaum gewesen um der Menge zu entgehen. Jetzt, nach einigen Tagen, kehrte er zu seinem Haus in Kapernaum zurück, aber die Leute fanden es heraus. Jeder wollte Jesus sehen und ihm zuhören. Sie füllten sein Haus, bis es nicht einmal mehr draußen vor der Tür Platz gab. Sie kannten nämlich niemanden, der mit solch einer Kraft und Macht predigte. Jesus predigte ihnen das Wort, da sie, noch viel dringender als körperliche Heilung oder eine Verbesserung ihrer materiellen Lage, das Leben Gottes brauchten. Sie mußten Buße tun und an die frohe Botschaft glauben.
Sehen wir uns die Verse 3 und 4 an. „Und es kamen einige zu ihm, die brachten einen Gelähmten, von vieren getragen. Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, und machten ein Loch und ließen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag.“ Wir können uns die Szene sehr gut vorstellen: Mindestens vier Männer kamen und trugen diesen gelähmten Mann auf dem Bett. Lähmung ist für gewöhnlich unheilbar; sie bedeutet, dass man, obwohl man geistig wach ist, keine Kontrolle über den Körper besitzt. Wir können uns seine Frustration nur vorstellen. Als Kind konnte er nicht mit den anderen Fußball oder Tennis spielen. Jeden Tag war er lange Stunden allein damit beschäftigt, zu denken und der Welt zuzusehen; dabei wurde seine Denkweise stückweise immer abhängiger und fordernder im Bezug auf andere.
Dennoch scheint es, als ob der Mann Freunde hatte, die ihm wirklich helfen wollten. Was aber konnten sie tun, da es doch unmöglich schien? Einer von ihnen hatte von Jesus gehört, der die wundersame Kraft hatte, Menschen zu heilen. „Laßt ihn uns zu Jesus bringen; wenn wir ihn nur zu Jesus bekommen, wird er geheilt werden, auf geht’s!“ Aber als sie Jesu Haus erreichten, trafen sie auf ein Hindernis. Die Leute, die sich um Jesus scharten, wollten sie nicht durchlassen. Vielleicht hatten sie anfangs noch höflich nachgefragt, was aber nicht funktionierte; vielleicht hatten sie Rugbytechniken eingesetzt, um durchzubrechen, aber auch das half nicht. Es war schon erschöpfend genug, den Mann zu tragen, aber dann zu versuchen sich durchzukämpfen war unmöglich. Dennoch versuchten sie, einen Weg zu finden.
Sie umrundeten die Menge und schafften es auf das Dach. Damals wurden Dächer aus Holzbrettern mit Buschzweigen und Lehm darauf gefertigt. Ein Loch zu machen, das groß genug war, den Mann herunterzulassen, war sehr einfach, verursachte aber einen Heidenlärm. Könnt ihr euch vorstellen zu predigen, während große Mengen an Holz und Lehm von der Decke fallen? Es begann mit einem dumpfen Klopfen. Als die Leute hochschauten, bekamen sie sicher Staub in die Augen und mußten Husten. Die Leute waren wahrscheinlich sehr entrüstet über die himmelsschreiende Unverfrorenheit dieser Männer. Sie hatten sich vorgedrängelt, sie hatten Jesus unterbrochen und sie hatten Sachschaden verursacht. Sie hatten keinerlei Manieren, waren gefühllos und plumb; sie wussten nicht, wie man sich benimmt, aber sie hatten Geist und liebten ihren Freund. Nachdem sich der Staub gelegt hatte und der Aufruhr abgeklungen war, mußten die Leute gespannt darauf gewartet haben, was Jesus jetzt tun würde.
Sehen wir uns Vers 5 an: „Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.“ Die Leute erwarteten wahrscheinlich, dass er die Männer für ihre Unterbrechung und den Vandalismus tadeln würde. Wie Kinder in einem Schulzimmer verlangten sie Gerechtigkeit vom Lehrer. Aber Jesus tadelte sie nicht: er sah ihren Glauben. „Ihr Glauben“ beinhaltet auch den Glauben des gelähmten Mannes. Was war ihr Glauben? Erstens hatten sie Glauben, dass Jesus die Macht hatte, zu heilen. Niemand sonst konnte den Mann heilen, aber sie glaubten, dass Jesus es konnte. Zweitens hatten sie Glauben an die Liebe Jesu, dass er sie nicht zurückweisen, sondern den Gelähmten annehmen würde, wenn sie ihn brächten. Ihr Glaube an Jesus bedeutete, dass sie nicht aufgaben, sondern alles versuchten, um ihn zu Jesus zu bringen. Das bedeutete, dass sie kreativ waren und die Initiative ergriffen. Sie konnten nicht durch die Menge hindurch und sie konnten nicht an ihr vorbei, also gingen sie darüber. Sie dachten dreidimensional! Ich bin zwar ein Künstler, aber diese Männer sind besser als ich; ich muß von ihnen und ihrem Einfallsreichtum lernen. Ihr Glaube an Jesus bedeutete auch, dass sie sehr gut zusammenarbeiteten. Das Eigengewicht eines Mannes auf ein Dach zu hieven, ist keine leichte Aufgabe. Das hätten sie nicht tun können, wenn sie es alleine oder jeder mit einer anderen Idee versucht hätten. Aber als sie sich verleugneten und einmütig zusammenarbeiteten, konnte jeder seinen Part einnehmen, wie ein gut ausgebildetes Einsatzkommando. Lasst uns von diesen Männern lernen und, wechem Hindernis und welcher Situation wir auch begegnen, durch den Glauben an Jesus herausfordern.
Schauen wir uns noch einmal Vers 5 an: „Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.“ Die Leute neigen dazu, auf sichtbare, physische Probleme zu schauen, anstatt die Dinge geistlich zu betrachten. Wenn sie auf diesen Mann sahen, sahen sie seine Lähmung und hatten vielleicht Mitgefühl oder Mitleid mit ihm. Sie hätten gesagt, dass seine Lähmung sein größtes Problem sei und er fröhlich würde, sobald sie geheilt sei. Letzen Endes hätte seine Heilung sein Leben völlig verändert. Jesus aber sagte: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.“ Jesus nahm diesen Mann als seinen Sohn an und vergab ihm seine Sünden. Er wollte, dass der Mann verstand, dass er ihn liebte wie er war, es aber nötig war, dass ihm seine Sünden vergeben werden.
Können wir uns denken, warum? Sünde bedeutet eine zerbrochene Beziehung zwischen Gott und dem Menschen. Es ist ein unsichtbares Problem, weshalb Leute oft denken, dass es nicht so ernsthaft wäre. Aber Sünde lähmt das Herz eines Menschen, verzerrt und korrumpiert seine Seele. Sie verkrüppelt seinen Charakter und macht ihn zum Sklaven des Teufels. Sünde beraubt ihn der geistlichen Frucht und des Lebenssinns. Letzten Endes führt sie zur ewigen Verdammnis in der Hölle. Darum ist die Lähmung, die durch die Sünde kommt, viel ernsthafter und schwächender als die physische Lähmung. In diesen Tagen sorgen sich die Menschen wegen der Finanzkrise. Sie geben mangelnder Kontrolle die Schuld, aber in Wahrheit ist sie die Frucht der Sünde und der menschlichen Habsucht. Die Sünde ist die Wurzel allen menschlichen Leides. Man könnte denken, dass dieser Mann wegen seiner Lähmung kaum Gelegenheit zu sündigen haben würde, doch wenn wir die Sünde weniger als Handlung und mehr als Herzenssache verstehen, erkennen wir, dass dieser Mann ebenso Jesu Vergebung brauchte. Wie jeder Mann war er verwundbar für Gier, Stolz und Undankbarkeit gegenüber Gott. Er könnte wegen seines Zustandes von Bitterkeit und Fatalismus geplagt und abhängig und fordernd anderen gegenüber geworden sein.
Hier ist es wichtig zu verstehen, wie die Sünde einen Menschen geistlich lähmt. Leute neigen dazu, die Sünde als „die schlechten Dinge, die ich tue“ zu verstehen. Allerdings ist Sünde auch „die Dinge, die ich tun sollte, aber doch nicht mache.“ Zum Beispiel ist es bedeutungslos, wenn ich anerkannt oder moralisch bin, solange ich meinem Nächsten die Liebe Jesu verweigere oder darin versage, ihm das Evangelium weiterzugeben. Bin ich kein Sünder, wenn ich Jesu Gnade und Wahrheit genieße, während tausende Studenten jeden Tag in geistlicher Unwissenheit und Finsternis leiden? In diesem Sinne sind Faulheit, Selbstzufriedenheit, Angst und Stolz alles Beispiele geistlicher Lähmung. Was Jesus diesem Gelähmten klarmachte war, dass nicht seine äußeren Umstände sein Problem waren, sondern die Sünde in seinem Herzen, welche ihn davon abhielt, für die Ehre Gottes zu leben. Aber als ihm Jesus vergab, konnten er Frieden, Freude und einen neuen Sinn in Gott erfahren. Es gibt viele Beispiele von Menschen, die physisch behindert sind, aber fruchtbare und siegreiche Leben zur Ehre Gottes führen. Amy Carmichael war eine von ihnen. Nach einer Verletzung war sie für die letzten zwanzig Jahre ihres Lebens ans Bett gefesselt. Sie hätte frustriert sein können, dass ihr aktives Missionsleben vorüber war. Stattdessen erkannte sie, dass Gott wollte, dass sie mehr betete. Diese letzten Jahre wurden ihren fruchtbarsten, als sie gänzlich für die Ehre Gottes lebte und betete.
Es gab eine Gruppe von Leuten, die mit Jesus nicht ganz zufrieden waren. Sehen wir uns die Verse 6 und 7 an. Die letzte Frage der Pharisäer war korrekt. Wer kann Sünden vergeben? Nur Gott kann Sünden vergeben, weil die Sünde allein gegen Gott gerichtet ist, darum kann kein Mensch die Sünde vergeben. Wo die Schriftgelehrten falsch lagen war, dass Jesus nicht einfach irgendwer war, der irgendetwas sagte. Sehen wir uns auch die Verse 8 und 9 an: „Und Jesus erkannte sogleich in seinem Geist, dass sie so bei sich selbst dachten, und sprach: Was denkt ihr solches in eurem Herzen? Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh umher?“ Jesus legte das Problem klar offen. Bis dahin hatte nie jemand einen Gelähmten mit seinen Worten zum Gehen gebracht. Es schien unmöglich, war jedoch immer noch einfacher als die Sünde zu vergeben. Petrus vermochte später einen Gelähmten mit seinen Worten heilen, aber er konnte seine Sünden nicht vergeben (Apg. 3). Worte sind leicht gesprochen, jeder kann sagen „Deine Sünden sind dir vergeben“ – entscheidend ist aber die Macht, die dahintersteht.
Betrachten wir auch Vers 10: „Damit ihr aber wißt, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden […]“ Jesus verkündete seine Macht der Sündenvergebung. Durch die Geschichte hindurch hat der Mensch versucht, sein Sündenproblem selbst zu lösen, sei es durch verschiedenste Opfer oder die Auferlegung schwieriger Prüfungen. Leute versuchten, ihre Sünde durch strikte Gesetzlichkeit oder Selbstdisziplin und Fasten zu lösen. Leute versuchen, ihr schlechtes Gewissen durch gute Taten und Barmherzigkeit oder ein einwandfreies Leben zu lösen – aber ohne die Autorität Gottes sind solche Dinge bedeutungslos. John Newton war ein Mann, der viele Sklaven in die Gefangenschaft geschickt hatte; an seinen Händen klebte das Blut von Hunderten. Wie konnte ihm vergeben werden? Er konnte sich selbst nicht vergeben; kein Ausmaß guter Taten würde seine Sünde ausgleichen. Wir finden die Antwort in dem Lied, das er geschrieben hat, „Oh Gnade Gottes.“ Oh Gnade Gottes wunderbar hast Du errettet mich. Ich war verloren, aber jetzt bin ich gefunden… Er empfing die Vergebung durch die Macht Jesu. Jesus konnte eine solche Macht beanspruchen, weil er der Sohn Gottes ist. Er allein war das von Gott gesandte Lamm ohne Sünde, das später gekreuzigt werden und sein Blut für die Sünde der Welt vergießen würde. Er war derjenige, den Gott erwählte, der einzige, den Gott annahm, der die Macht zur Vergebung der Sünden hat.
Jesus wollte, dass der Mann und die Pharisäer wussten, dass er diese Macht hatte. Darum bewies er in den Versen 11 und 12, dass seine Macht echt war, indem er ein Wunder vollbrachte, dass nur mit Gottes Macht und Zustimmung getan werden konnte. „Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett, und geh heim! Und er stand auf, nahm sein Bett und ging alsbald hinaus vor aller Augen, so dass sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen Wir haben so etwas noch nie gesehen.“ Durch die Heilung des Mannes offenbarte Jesus, dass er der Sohn Gottes ist, von Gott gesandt zur Vergebung unserer Sünden. Jeder hat gesündigt, aber es gibt keine Sünde, die Jesus nicht vergeben kann. Alles, was wir machen müssen, ist einfach unsere Sünde zu ihm zu bringen, indem wir auf seine Macht vertrauen. Das ist keine Theorie. Wenn wir mit unserer Sünde zu Jesus kommen, können wir persönlich seine Vergebung in unserem Herzen erfahren und kennenlernen.
Vor der Begegnung mit Jesus war ich sehr von der Sünde gelähmt. Äußerlich schien ich in Ordnung, aber die Versuchung durch Begierde, der Einfluß von Freunden und mein Verlangen danach, zu feiern und Drogen zu nehmen machten mich kraftlos und unfähig, mich zu ändern. Ich konnte morgens nicht aufstehen, ich konnte mich nicht konzentrieren oder lernen, und ich hatte das Gefühl, als ob es dazu auch keinen Grund oder Sinn gäbe. Ich wurde durch eine Verbindung aus Faulheit, Angst und Schuldgefühlen gesteuert, in dem Bewußtsein, dass ich anders leben sollte, aber unfähig, mich zu bewegen. Erst, als ich Jesus traf und seine Worte, „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben“ persönlich hörte, konnte ich sowohl den Grund meines Problems als auch die Antwort in Jesus finden. Ich erkannte, dass meine Sünde gegen Gott gerichtet war und ich Buße tun musste. Als ich Jesus bat, mir zu vergeben, fand ich mich wiedergeboren und von meiner Lähmung befreit. Es war Jesus, der mir seine Kraft und Frieden gab, um anders zu leben, ein erneuertes und dynamisches Leben zur Ehre Gottes. In den zehn Jahren, die ich den Studenten diene, habe ich erkannt, dass meine Erfahrung keineswegs einzigartig ist. Studenten in London sind von Natur aus sehr fähig, aber viele sind von Depression, Schuld, Angst und tiefgreifendem Fatalismus bezüglich ihres Lebens gelähmt. Junge Geister, die über den Sinn des Lebens nachdenken und Gottes Willen und Vision suchen sollten, liegen vielmehr auf ihren Betten, unfähig aufzustehen. Ein Typ, den ich kenne, war ein sehr intelligenter und aufrichtiger Mensch, aber er war gelähmt durch Depression und das Gefühl der Bedeutungslosigkeit. Er war sehr düster und pessimistisch und kraftlos. Aber als er seine Sünden zu Jesus brachte, fing er an, sich zu verändern. Ich bete, dass wir Jesu Worte persönlich hören: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben“.
II. „Folge mir nach.“ (13-17)
Betrachten wir die Verse 13 und 14. Jesus lehrte wahrscheinlich noch, während er wieder unterwegs war. Er sah diesen Mann, Levi, an seinem Zollhaus sitzen. Zöllner wurden offiziell als Sünder behandelt, Leute, deren Lebensstil, ähnlich dem von Prostituierten, so verrückt angesehen wurde, dass der Rest der Gesellschaft sie mied. Niemand zahlt gerne Steuern. Ich bin Künstler, ich muß 50% an die Gallerie, und dann noch 30% an den Staat abtreten; ich hasse Steuern. In Israel jedoch waren Steuern besonders unbeliebt, weil sie die Leute permanent daran erinnerten, dass sie unter der Herrschaft Roms standen. Darum waren Zöllner wie Verräter. Sie waren außerdem berüchtigt, korrupte Halsabschneider zu sein, die vom Leiden anderer persönlich profitierten. Wenn also Leute Levi an seinem Häuschen sahen, sahen sie einen offiziellen Sünder, einen gesellschaftlich Ausgestoßenen, einen Vaterlandsverräter und einen abgrundtief selbstsüchtigen Mann.
Wir mögen uns fragen, wie Levi dazu gekommen war. Immerhin, wenn man Kinder danach fragt, was sie mal werden wollen wenn sie groß sind, sagen die wenigsten „Ich will Zöllner werden. Ich will mein Volk verraten und ein giftiger Sünder werden, mit dem niemand was zu tun haben will.“ Wir wissen nichts über sein Leben, aber wir können mutmaßen. Möglicherweise redeten die Leute immer darüber, etwas ehrenwertes oder moralisches zu tun, aber Levi dachte sich: „Oh bitte! Geld, darum dreht sich alles.“ Vielleicht hatten andere nicht eine solche Armut erfahren, wie er es hatte. Er war entschlossen, nie wieder arm zu sein. Er studierte eifrig um ein Stipendium an der London School of Economics, wo er Steuerrecht studierte; er war herrausragend bei Einkommenssteuer, Mehrwertsteuer, Zölle und sonstiges, und den subtileren Wegen, soviel Geld wie möglich aus den Leuten zu quetschen. Für sein Doktorandum schlug er sogar neue Steuern vor. Selbst seine Mitzöllner hielten ihn für extrem. Aber das störte ihn nicht. Er wollte Geld. Er war überzeugt, dass Geld ihm Freude, Erfüllung, zukünftige Sicherheit garantieren würde, und wenn ihn das Freude kosten, na und, dann kauft er sich halt neue. Nach seinem Abschluß fand er schnell eine Stelle in Kapernaum und war in der Lage, ein großes Haus mit Swimminng Pool und einem hochauflösenden Fernseher so groß wie die ganze Wand zu kaufen. Das Problem war nur, dass es immer leer war. Leute gingen auf die andere Straßenseite, um nicht mit ihm reden zu müssen. Er sah ihre tiefe Abneigung, selbst dann wenn sie versuchten freundlich zu sein, um einen Gefallen von ihm zu bekommen. Er wußte sogar, dass seine Frau ihn nicht liebte, sondern nur des Geldes wegen geheiratet hatte. Seine Kinder schämten sich für ihn, und wenn er zur Schule kam, taten sie so, als wäre er der Vater von jemand anderem.
Da saß er also an seinem Häuschen, verdammt von der Gesellschaft und ganz allein. Er war in einem Leben gefangen, dass er selber nicht ändern konnte. Er hatte seine Würde, sein Selbstwertgefühl, seinen Anstand, Ehre und seine Identität verloren; Dinge, die ihm in seiner Jugend nicht wichtig waren, aber nun hatte er sie verloren und konnte sie nicht zurückbekommen. Es war zu spät. Die Leute würden ihn sich nicht verändern lassen oder vergessen, er würde für immer „der Zöllner“ sein. Anhand Levis Beispiel können wir sehen, was einer Person blüht, und welche großen Folgen die Entscheidungen haben, die sie früh in ihrem Leben macht; das, dem wir nachfolgen, wird im Endeffekt beeinflußen, wer oder was wir werden.
Sehen wir uns nochmal Vers 14 an. „Und als er vorüberging, sah er Levi, den Sohn des Alphäus, am Zoll sitzen und sprach zu ihm: Folge mir nach! Und er stand auf und folgte ihm nach.“ Jesus sah Levi, aber nicht so, wie die anderen ihn ansahen, sondern mit der Hoffnung Gottes. Jesus sah einen unglücklichen Mann, der bis jetzt einem falschen Ziel gefolgt war, aber er sah auch sein großes Potential. In seinem Herzen sah er den geistlichen Hunger, anders zu leben und nach Gott zu suchen. Ein jeder wird als Abbild Gottes geboren und tief drinnen haben selbst die unscheinbarsten Menschen das geistliche Verlangen, Gott und seine Vision für ihr Leben zu kennen. Levi war dem Geld gefolgt und alles verloren, und nun berief ihn Jesus: „Folge mir nach!“
Was meinte Jesus mit „Folge mir nach?“ Jesus wollte, dass Levi ihm von nun an überall hin folgen würde, jeden Tag mit ihm lebte, lernte, seinen Worten zu gehorchen und seiner Liebe und seinem Mitleid für andere nachzueifern. Jesus hatte Levi vergeben, aber nun mußte er sein alten Lebensgewohnheiten verändern und seine Selbstsucht überwinden. Indem er Jesus folgte, könnte er Gottes Herz für die Kranken und die, die dringend Gottes Wahrheit brauchen, lernen. Jesus zu folgen hieß, seinem Lebenstil zu folgen, bis er in den Charakter Christi verändert worden war. Es hieß, Selbstverleugnung zu lernen und sein Kreuz auf sich zu nehmen. Es hieß, jeden Tag in der persönlichen Beziehung mit Jesus als dem Christus und Retter zu wachsen. Dies war eine Einladung, sein Leben völlig zu verändern und Gottes Hoffnung und Vision für ihn zu entdecken. „Folge mir nach,“ diese drei Worte bedeuteten, dass er sein selbstsüchtiges leben zurücklassen und von Gott verwendet werden könnte, der Welt das Evangelium des Matthäus zu bringen.
Levi muß sich sosehr gefreut haben! Er gab einiges Geld aus und feierte ein großes Fest für jeden, der kommen wollte. Es schien, das die einzigen, die kamen, seine alten Zöllnerfreunde und andere Sünder, sowie Jesus und die Jünger waren. „Und als die Schriftgelehrten unter den Pharisäern sahen, dass er mit den Sündern und Zöllnern aß, sprachen sie zu seinen Jüngern: Ißt er mit den Zöllnern und Sündern? Als das Jesus hörte, sprach er zu ihnen: Die Starken bedürfen keines Arztes, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.“ (16.17) Die Pharisäer waren blidn für ihre Sünde und konnten nicht annehmen, dass sie krank waren. Anstelle dessen urteilten sie über andere Leute und kamen nicht zu Jesus. Jesus kann uns und unserer Sünde nicht helfen, es sei denn, dass wir demütig und rechtschaffen Buße tun. Wie ein Arzt richtet er uns nicht, sondern will uns heilen.
Ich habe euch erzählt, wie ich Jesus traf, aber ganz ehrlich waren die Worte „Folge mir nach“ eine ziemliche Herausforderung. Anders als Levi war ich nicht so schnell aufgesprungen und ihm gefolgt. Ich hatte Angst, dass die Nachfolge bedeuten würde, dass ich meine Freiheit aufgeben und keinen Spaß mehr haben würde; ich wollte kreativ und als Intellektueller leben, und nicht als Jünger. Doch als ich anfing, Jesus nachzufolgen, stellte ich fest, dass es nichts vergleichbares gibt, dass dies Gottes größter Segen ist. Ich verlor meine Freiheit nicht, sondern fand eine neue Freiheit und eine viel größere Vision, für die Ehre Gottes zu leben und Frucht für ihn zu bringen.
Zusammengefaßt: Sünde lähmt die Leute, macht sie selbstsüchtig, nimmt ihnen die Hoffnung. Doch wenn wir zu Jesus kommen, vergibt er unsere Sünden und verwandelt unser Leben. „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.“ Wir danken Gott für Jesu Sündenvergebungsmacht.
